Seit dem 28. Februar 2026 führen die USA und Israel Luftangriffe auf den Iran. Die Straße von Hormus — Nadelöhr für 20% des weltweiten Öls und den gesamten LNG-Export der Golfstaaten — ist weitgehend blockiert. QatarEnergy, der weltgrößte LNG-Exporteur, hat die Produktion nach Drohnenangriffen gestoppt. Dieser Leitfaden erklärt, warum das Deutschland direkt trifft — und was du jetzt tun kannst.
Was ist die Straße von Hormus?
Die Straße von Hormus liegt zwischen dem Iran im Norden und Oman im Süden. An ihrer schmalsten Stelle ist sie nur 54 Kilometer breit — und damit die engste Schiffsroute der Welt mit globaler Bedeutung. Durch sie müssen alle Tanker aus dem Persischen Golf passieren, die Öl und LNG nach Europa und Asien transportieren.
21 Mio. Barrel Öl täglich
Rund 20% des weltweiten Rohölhandels fließen täglich durch die Straße von Hormus. Kein anderer Seeweg der Welt transportiert auch nur annähernd so viel Energie.
Gesamter Golf-LNG-Export
Katar, Abu Dhabi und Kuwait exportieren ihr gesamtes Flüssiggas über Hormus. Es gibt keine alternative Rohrleitung und keinen anderen Seeweg — Hormus ist alternativlos.
Iran kann blockieren
Der Iran hat die rechtliche und militärische Kontrolle über die nördliche Hälfte der Meerenge. Er kann Tanker anhalten, beschlagnahmen oder die Route für Schiffe aus feindlichen Ländern sperren.
Kein schneller Umweg
Tanker können auf längere Routen um die Arabische Halbinsel ausweichen — das dauert 7–10 Tage länger und ist deutlich teurer. Kapazitäten dafür sind begrenzt.
Deutschlands LNG-Abhängigkeit vom Persischen Golf
Nach dem Ende der russischen Gaslieferungen 2022 musste Deutschland seine Energieversorgung radikal umstellen. Die Lösung: LNG — Flüssiggas, das per Schiff aus aller Welt importiert wird. Deutschland baute in Rekordzeit schwimmende LNG-Terminals auf und eröffnete feste Anlagen in Brunsbüttel, Lubmin und Wilhelmshaven.
Das Problem: Ein erheblicher Teil dieses LNG kommt aus dem Persischen Golf — und muss durch die Straße von Hormus. Der Bruegel-Thinktank formulierte es schon vor der Krise klar: Europa hat eine Abhängigkeit gegen eine andere getauscht.
Deutschlands LNG-Importquellen (ca. 2025/26)
Schätzung auf Basis öffentlicher Importdaten · Orange = Hormus-abhängig
Gaspreise 2026: Die direkten Auswirkungen
Energiemärkte reagieren auf Nachrichten — und auf die Hormus-Blockade reagierten sie sofort. Der TTF, der europäische Gasreferenzpreis, sprang binnen 24 Stunden um über 50%. Was das für einen deutschen Haushalt bedeutet:
Konkrete Kostenwirkung
Vor Iran-Krise (TTF ~40 €/MWh)
~1.800 €/Jahr
Heizkosten (18.000 kWh)
Basisszenario (TTF 60 €/MWh)
~2.400 €/Jahr
+600 € Mehrkosten
Worst Case (TTF 80+ €/MWh)
~3.200 €/Jahr
+1.400 € Mehrkosten
Strom
Gaskraftwerke setzen in Spitzenlastzeiten noch immer den Grenzpreis am Strommarkt. Steigt Gas, steigt Strom — mit Verzögerung, aber verlässlich.
Benzin & Diesel
Rohöl reagiert direkt auf Hormus. 20% des weltweiten Öls können nicht einfach umgeleitet werden. Tankstellen spiegeln das mit einiger Verzögerung wider.
Baukosten & Zinsen
Höhere Öl- und Gaspreise erhöhen die Inflation und könnten EZB-Zinssenkungen verschieben. Stahl, Kupfer und Elektronik werden durch teurere Frachtkosten ebenfalls teurer.
Schütz dich vor Energiepreisschocks
Mit eigenem Strom und einer Wärmepumpe entkoppelst du dich von Gas- und Spotmärkten. Berechne jetzt deinen ersten Schritt:
Kann Deutschland Ersatz finden?
Die kurze Antwort: teilweise. Keine der verfügbaren Alternativen kann den Ausfall kurzfristig vollständig kompensieren. Das ist das strukturelle Dilemma, in dem Deutschland steckt — und das zeigt, warum die Unabhängigkeit von importierten fossilen Energien so wichtig ist.
US-amerikanisches LNG
Verfügbar, aber Exportterminals in den USA sind ausgelastet. Globale Nachfrage nach US-LNG steigt parallel — Preise steigen entsprechend. Keine schnelle Mengenerweiterung möglich.
Norwegisches Pipelinegas
Norwegen kann kurzfristig leicht erhöhen, aber die Pipelines sind strukturell schon nahezu ausgelastet. Reserven für Krisenzeiten sind begrenzt.
Deutsche LNG-Terminals
Brunsbüttel, Lubmin und Wilhelmshaven haben Kapazitätsreserven. Aber: Sie können nur verarbeiten, was ankommt — und der globale LNG-Spot-Markt ist durch die Krise ebenfalls angespannt.
Saudi-Arabien Pipeline (East-West)
Die Saudi-Pipeline nach Yanbu kann einen Teil des saudi-arabischen Öls umleiten — aber kein Katar-LNG und keine Mengen aus anderen Golfstaaten. Für Europa kein relevanter Ersatz.
Gasspeicher & Winter 2026/27: Das Timing-Problem
Die EU-Gasspeicher lagen Ende Februar 2026 bei nur 46 Milliarden Kubikmetern — gegenüber 60 Mrd. im Vorjahr und 77 Mrd. 2024. Das ist ein historisch niedriger Stand. Die EU-Vorgabe lautet: 90% Füllung bis 1. November — das sind rund 81 Mrd. m³.
Der Sommer ist die Befüllungszeit. Wenn die Hormus-Blockade bis in den Sommer andauert, können die fehlenden LNG-Mengen nicht rechtzeitig ersetzt werden — mit unmittelbaren Folgen für den Winter.
EU-Gasspeicher-Füllstand (Ende Februar)
Quelle: Bruegel Institute, März 2026 · Basis: EU-Speicherkapazität ~90 Mrd. m³
3 Szenarien: Wie lange dauert die Blockade?
Konflikt endet in 3–5 Wochen, Hormus öffnet sich
Speicherlage
Sommerbefüllung möglich
Winter 2026/27
Normal versorgt
Heizkosten 18.000 kWh
ca. +200–350 €/Jahr
Konflikt dauert 6–12 Wochen
Speicherlage
Befüllung unter Ziel
Winter 2026/27
Leichte Versorgungsanspannung
Heizkosten 18.000 kWh
ca. +500–700 €/Jahr
Blockade dauert bis Herbst 2026
Speicherlage
Kritisch niedrig
Winter 2026/27
Lieferengpässe möglich
Heizkosten 18.000 kWh
ca. +1.000–1.500 €/Jahr
Risiken für Eigenheimbesitzer
Kurzfristig (0–3 Monate)
Variable Energieverträge
Wer keinen Preisschutz hat, zahlt Spotpreise. Anbieter können Preiserhöhungen mit relativ kurzen Fristen ankündigen. Sofort Vertragslage prüfen.
Gasvertrag läuft aus
Auslaufende Gasverträge in einem Hochpreisumfeld zu erneuern ist teuer. Wer jetzt einen neuen Festpreis abschließt, zahlt Krisenaufschlag — kauft aber Planbarkeit.
Mittelfristig (3–18 Monate)
Strukturelle Gasabhängigkeit
Wer heute eine neue Gasheizung einbaut, bindet sich für 15–20 Jahre an einen Energieträger mit nachgewiesener geopolitischer Preisanfälligkeit — nun zum zweiten Mal innerhalb von 4 Jahren.
Steigende Bau- und Materialkosten
Teurere Frachtraten (Hormus, Suez), höhere Energiepreise für Produktion: Kupfer, Stahl und Elektronik werden teurer. Wer Umbaumaßnahmen plant, sollte nicht auf sinkende Kosten warten.
Immobilienbewertung
Energieeffiziente Gebäude erzielen bis zu 15% höhere Verkaufspreise. In einem Umfeld dauerhaft hoher Energiepreise wächst dieser Abstand weiter.
Was sich jetzt lohnt: Konkrete Schritte
Die Hormus-Krise macht eines überdeutlich: Wer strukturell von importiertem Erdgas abhängt, hat kein Risikomanagement. Wer dagegen eigenen Strom erzeugt und eine Wärmepumpe betreibt, ist von Spot-Märkten und geopolitischen Schocks weitgehend entkoppelt.
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3 OptionenSolaranlage & Speicher
Jeder Strompreisanstieg verkürzt die Amortisationszeit. Wer eigenen Strom erzeugt, ist von Spot-Märkten entkoppelt. Bei aktuellen Marktpreisen oft unter 10 Jahren.
Was du jetzt tun kannst: Schritt-für-Schritt
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Häufige Fragen zur Hormus-Blockade und Deutschland
Quellen
- Bruegel Institute: How will the Iran conflict hit European energy markets?, 2. März 2026
- BNN Bloomberg: Energy prices surge as tanker disruptions rattle global supply, 2. März 2026
- CNBC: How high can oil and gas prices go because of the Iran war?, 2. März 2026
- IEA: Oil Market Report — Strait of Hormuz exposure, Februar 2026
- South China Morning Post: Europe counts the cost as Iran war disrupts energy shipments, 3. März 2026
- Euronews: LNG terminal capacity in Germany — current status, Januar 2026
Dieser Ratgeber stellt keine Finanz- oder Rechtsberatung dar. Alle Preisprognosen sind Schätzungen auf Basis verfügbarer Marktdaten.
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