Versorgungssicherheit·Aktualisiert 25. März 2026·15 Min. Lesezeit

Hormus-Blockade: Was bedeutet das für Deutschland?

20% des Weltöls. Der gesamte LNG-Export der Golfstaaten. Alles läuft durch eine 54 Kilometer schmale Meerenge — und die ist seit dem Iran-Krieg weitgehend blockiert. Was das konkret für Gaspreise und Heizkosten in Deutschland bedeutet.

Aktualisiert 25. März 2026 · TTF: ~53,82 €/MWh · Ras Laffan dauerhaft beschädigt · 21 Schiffsangriffe

21 Mio. bbl/Tag
Öl durch Hormus – de facto blockiert
~40%
dt. LNG aus dem Persischen Golf (Hormus-abhängig)
~53,82 €/MWh
TTF 25. März (+84% vs. Vorkrise)
bis 70%
Wärmepumpen-Förderung BEG
Autor: vind·Aktualisiert 25. März 2026·15 Min. Lesezeit

Stand 25. März 2026, Tag 26: Die Straße von Hormus ist de facto blockiert — 21 bestätigte Schiffsangriffe seit dem 1. März, selektiver Durchlass nur für türkische, indische und saudische Schiffe. Am 18. März zerstörte ein zweiter iranischer Raketenangriff 17% der katarischen LNG-Kapazität dauerhaft (bis zu 5 Jahre Reparaturzeit). Neuer Oberster Führer Mojtaba Khamenei schwört auf Fortsetzung der Blockade. Kein Waffenstillstand in Sicht. Dieser Leitfaden erklärt, warum das Deutschland direkt trifft — und was du jetzt tun kannst.

Was ist die Straße von Hormus?

Die Straße von Hormus liegt zwischen dem Iran im Norden und Oman im Süden. An ihrer schmalsten Stelle ist sie nur 54 Kilometer breit — und damit die engste Schiffsroute der Welt mit globaler Bedeutung. Durch sie müssen alle Tanker aus dem Persischen Golf passieren, die Öl und LNG nach Europa und Asien transportieren.

Karte: Hormus-RegionIran (Kriegsgebiet)ÖlstaatenStraße von HormusSchiffsroutenBlockadeEnergieinfrastruktur
Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende · Konfliktdaten schematisch (Stand März 2026)

21 Mio. Barrel Öl täglich

Rund 20% des weltweiten Rohölhandels fließen täglich durch die Straße von Hormus. Kein anderer Seeweg der Welt transportiert auch nur annähernd so viel Energie.

Gesamter Golf-LNG-Export

Katar, Abu Dhabi und Kuwait exportieren ihr gesamtes Flüssiggas über Hormus. Es gibt keine alternative Rohrleitung und keinen anderen Seeweg — Hormus ist alternativlos.

Iran kann blockieren

Der Iran hat die rechtliche und militärische Kontrolle über die nördliche Hälfte der Meerenge. Er kann Tanker anhalten, beschlagnahmen oder die Route für Schiffe aus feindlichen Ländern sperren.

Kein schneller Umweg

Tanker können auf längere Routen um die Arabische Halbinsel ausweichen — das dauert 7–10 Tage länger und ist deutlich teurer. Kapazitäten dafür sind begrenzt.

Die Straße von Hormus ist das einzige natürliche Nadelöhr, das nicht durch Pipelines umgangen werden kann. Saudi-Arabien hat eine Pipeline nach Yanbu gebaut, die einen Teil des Öls umleiten kann — aber sie deckt nur einen Bruchteil der Mengen, und sie steht anderen Golfstaaten nicht zur Verfügung.

Deutschlands LNG-Abhängigkeit vom Persischen Golf

Nach dem Ende der russischen Gaslieferungen 2022 musste Deutschland seine Energieversorgung radikal umstellen. Die Lösung: LNG — Flüssiggas, das per Schiff aus aller Welt importiert wird. Deutschland baute in Rekordzeit schwimmende LNG-Terminals auf und eröffnete feste Anlagen in Brunsbüttel, Lubmin und Wilhelmshaven.

Das Problem: Ein erheblicher Teil dieses LNG kommt aus dem Persischen Golf — und muss durch die Straße von Hormus. Der Bruegel-Thinktank formulierte es schon vor der Krise klar: Europa hat eine Abhängigkeit gegen eine andere getauscht.

Deutschlands LNG-Importquellen (ca. 2025/26)

USAKeine Hormus-Abhängigkeit
42%
Katar (QatarEnergy)Vollständig Hormus-abhängig
28%
Norwegen (Pipeline)Keine Hormus-Abhängigkeit
18%
Andere GolfstaatenVollständig Hormus-abhängig
12%

Schätzung auf Basis öffentlicher Importdaten · Orange = Hormus-abhängig

Rund 40% der deutschen LNG-Importe stammen aus dem Persischen Golf und sind vollständig Hormus-abhängig. QatarEnergy — allein für rund 28% verantwortlich — hat die Produktion nach Drohnenangriffen gestoppt. Das ist der unmittelbare Auslöser für den Gaspreis-Schock.

Gaspreise 2026: Die direkten Auswirkungen

Energiemärkte reagieren auf Nachrichten — und auf die Hormus-Blockade reagierten sie sofort. Der TTF sprang in den ersten Tagen um über 50%. Am 25. März 2026 liegt er bei ~53,82 €/MWh — ~84% über dem Vorkrisen-Niveau. Der zweite Angriff auf Ras Laffan (18. März) hat die Lage strukturell verschärft: 17% der katarischen LNG-Kapazität sind für bis zu 5 Jahre ausgefallen. Was das für einen deutschen Haushalt bedeutet:

Konkrete Kostenwirkung

Vor Iran-Krise (TTF ~30 €/MWh)

~1.400 €/Jahr

Heizkosten (18.000 kWh)

Aktuell (~54 €/MWh, Stand 25.3.)

~2.200 €/Jahr

+800 € Mehrkosten

Eskalation (TTF 80+ €/MWh)

~3.200 €/Jahr

+1.800 € Mehrkosten

Strom

Gaskraftwerke setzen in Spitzenlastzeiten noch immer den Grenzpreis am Strommarkt. Steigt Gas, steigt Strom — mit Verzögerung, aber verlässlich.

Benzin & Diesel

Rohöl reagiert direkt auf Hormus. 20% des weltweiten Öls können nicht einfach umgeleitet werden. Tankstellen spiegeln das mit einiger Verzögerung wider.

Baukosten & Zinsen

Höhere Öl- und Gaspreise erhöhen die Inflation und könnten EZB-Zinssenkungen verschieben. Stahl, Kupfer und Elektronik werden durch teurere Frachtkosten ebenfalls teurer.

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Kann Deutschland Ersatz finden?

Die kurze Antwort: teilweise. Keine der verfügbaren Alternativen kann den Ausfall kurzfristig vollständig kompensieren. Das ist das strukturelle Dilemma, in dem Deutschland steckt — und das zeigt, warum die Unabhängigkeit von importierten fossilen Energien so wichtig ist.

teilweise

US-amerikanisches LNG

Verfügbar, aber Exportterminals in den USA sind ausgelastet. Globale Nachfrage nach US-LNG steigt parallel — Preise steigen entsprechend. Keine schnelle Mengenerweiterung möglich.

begrenzt

Norwegisches Pipelinegas

Norwegen kann kurzfristig leicht erhöhen, aber die Pipelines sind strukturell schon nahezu ausgelastet. Reserven für Krisenzeiten sind begrenzt.

teilweise

Deutsche LNG-Terminals

Brunsbüttel, Lubmin und Wilhelmshaven haben Kapazitätsreserven. Aber: Sie können nur verarbeiten, was ankommt — und der globale LNG-Spot-Markt ist durch die Krise ebenfalls angespannt.

kein Ersatz

Saudi-Arabien Pipeline (East-West)

Die Saudi-Pipeline nach Yanbu kann einen Teil des saudi-arabischen Öls umleiten — aber kein Katar-LNG und keine Mengen aus anderen Golfstaaten. Für Europa kein relevanter Ersatz.

Fazit: Es gibt keinen schnellen, vollständigen Ersatz für den Hormus-Ausfall. Das ist kein politisches Versagen — es ist die strukturelle Realität fossiler Energieversorgung. Wer das versteht, versteht, warum der Umbau auf erneuerbare Energien keine ideologische, sondern eine strategische Entscheidung ist.

Gasspeicher & Winter 2026/27: Das Timing-Problem

Die EU-Gasspeicher lagen Mitte März 2026 bei ~29% — nahe dem Tiefstand der Krise 2022. Deutschland liegt bei ~22%. Zum Vergleich: Ende Februar 2026 waren es noch ~46 Mrd. m³ (rund 51%), ein Jahr davor 60 Mrd. m³. Die EU-Vorgabe lautet: 90% Füllung bis 1. November — das sind rund 81 Mrd. m³. Die EU-Kommission appellierte am 23. März 2026 dringend an alle Mitgliedstaaten, die Befüllung sofort zu priorisieren.

Die Injektionssaison beginnt im April — mit einem historisch niedrigen Startstand von ~29% statt der üblichen ~55%. Wenn die Hormus-Blockade anhält und Katars LNG-Export dauerhaft eingeschränkt bleibt, ist das EU-Winterziel 2026/27 kaum erreichbar.

EU-Gasspeicher-Füllstand (Vergleich)

2024 (Feb)77 Mrd. m³
2025 (Feb)60 Mrd. m³
2026 (Feb)46 Mrd. m³
2026 (Mitte März)~29%

Quelle: Bruegel Institute, März 2026 · Basis: EU-Speicherkapazität ~90 Mrd. m³

EU-Ziel: 90% = ~81 Mrd. m³
Von ~29% auf 90% — das entspricht einem Befüllungsbedarf von über 55 Mrd. m³ innerhalb von 7 Monaten. In normalen Jahren startet man mit ~55% und muss ~35 Mrd. m³ befüllen. 2026 ist der Startpunkt historisch niedrig — und die LNG-Versorgung durch Ras Laffan strukturell eingeschränkt.

3 Szenarien: Wie lange dauert die Blockade?

A
Baldige EinigungTTF 40–50 €/MWh

Waffenstillstand in nächsten Wochen, Hormus öffnet sich – Stand Tag 26: unwahrscheinlich

Speicherlage

Befüllung unter Plan

Winter 2026/27

Angespannte Versorgung

Heizkosten 18.000 kWh

ca. +500–700 €/Jahr

B
Verlängerte BlockadeTTF 50–70 €/MWh

Konflikt zieht sich bis Sommer 2026 – Basisszenario

Speicherlage

Befüllung deutlich unter Ziel

Winter 2026/27

Versorgungsanspannung

Heizkosten 18.000 kWh

ca. +800–1.100 €/Jahr

C
Strukturelle KriseTTF 70–100+ €/MWh

Ras Laffan offline, Blockade bis Herbst 2026 – Risikoszenario

Speicherlage

Kritisch – EU-Notmaßnahmen

Winter 2026/27

Lieferengpässe möglich

Heizkosten 18.000 kWh

ca. +1.200–2.000 €/Jahr

In allen drei Szenarien gilt: Wer seinen eigenen Strom erzeugt und seinen Gasverbrauch reduziert hat, steht strukturell besser da. Die Amortisation einer Solaranlage oder Wärmepumpe verbessert sich mit jedem Gaspreisanstieg.

Risiken für Eigenheimbesitzer

Kurzfristig (0–3 Monate)

Variable Energieverträge

Wer keinen Preisschutz hat, zahlt Spotpreise. Anbieter können Preiserhöhungen mit relativ kurzen Fristen ankündigen. Sofort Vertragslage prüfen.

Gasvertrag läuft aus

Auslaufende Gasverträge in einem Hochpreisumfeld zu erneuern ist teuer. Wer jetzt einen neuen Festpreis abschließt, zahlt Krisenaufschlag — kauft aber Planbarkeit.

Mittelfristig (3–18 Monate)

Strukturelle Gasabhängigkeit

Wer heute eine neue Gasheizung einbaut, bindet sich für 15–20 Jahre an einen Energieträger mit nachgewiesener geopolitischer Preisanfälligkeit — nun zum zweiten Mal innerhalb von 4 Jahren.

Steigende Bau- und Materialkosten

Teurere Frachtraten (Hormus, Suez), höhere Energiepreise für Produktion: Kupfer, Stahl und Elektronik werden teurer. Wer Umbaumaßnahmen plant, sollte nicht auf sinkende Kosten warten.

Immobilienbewertung

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Häufige Fragen zur Hormus-Blockade und Deutschland

Die Straße von Hormus ist eine rund 54 Kilometer schmale Meerenge zwischen dem Iran und Oman. Durch sie fließen täglich rund 21 Millionen Barrel Öl — das entspricht etwa 20% des weltweiten Ölhandels. Hinzu kommt der gesamte LNG-Export der Golfstaaten. Eine Blockade hat damit globale Auswirkungen.

Quellen

  • Bruegel Institute: How will the Iran conflict hit European energy markets?, 2. März 2026
  • BNN Bloomberg: Energy prices surge as tanker disruptions rattle global supply, 2. März 2026
  • CNBC: How high can oil and gas prices go because of the Iran war?, 2. März 2026
  • IEA: Oil Market Report — Strait of Hormuz exposure, Februar 2026
  • South China Morning Post: Europe counts the cost as Iran war disrupts energy shipments, 3. März 2026
  • Euronews: LNG terminal capacity in Germany — current status, Januar 2026

Dieser Ratgeber stellt keine Finanz- oder Rechtsberatung dar. Alle Preisprognosen sind Schätzungen auf Basis verfügbarer Marktdaten.

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