Heizlastberechnung: Das Fundament der Heizungsplanung
Die Heizlastberechnung ist das A und O bei der Wahl der richtigen Wärmepumpe. Sie bestimmt, wie groß deine Anlage sein muss. Eine falsche Berechnung führt zu ineffizienten, teuren oder unterdimensionierten Systemen. Dieser Ratgeber erklärt, wie Heizlastberechnungen funktionieren und warum sie so wichtig sind.
Was ist die Heizlast eigentlich?
Heizlast = Die maximale Wärmeleistung, die dein Haus braucht
Gemessen in Watt (W) oder Kilowatt (kW). Sie sagt: "Bei den kältesten Tagen des Jahres brauche ich diese viel Wärme, um mein Haus auf 21°C zu halten."
Beispiel: Eine Heizlast von 10 kW bedeutet: Im tiefsten Winter braucht das Haus maximal 10 Kilowatt Wärmeleistung.
Wichtig: Das ist NICHT der durchschnittliche Verbrauch! Der Durchschnitt ist deutlich niedriger.
Was beeinflusst die Heizlast?
Dämmstandard
Schlecht gedämmtes Haus: +50% Heizlast vs. gut gedämmt
U-Wert der Außenwände: 0,3 W/(m²K) vs 0,8 W/(m²K)
Grundfläche des Hauses
Größeres Haus = höhere Heizlast
100 m² vs 200 m²: Etwa doppelte Heizlast
Außentemperatur (regional)
Kalte Regionen: höhere Heizlast
München vs. Hamburg: ~20% Unterschied
Fensterqualität
Alte Fenster: +30% Heizlast
Einfachverglasung vs. 3-fach Verglasung
Temperaturwunsch innen
21°C vs 18°C: ~15% Unterschied
Komfortwunsch vs. Energie sparen
Lüftungsverluste
Schlechte Abdichtung: +20% Heizlast
Undichte Fenster/Türen vs. luftdichtes Haus
Praktische Beispiele: Heizlast für verschiedene Häuser
Typische Heizlasten und Jahresverbräuche:
Modernes EFH, 150 m², top gedämmt
Heizlast
6-8 kW
Jahresverbrauch
3.500-4.500 kWh
WP-Größe
5-6 kW
💡 Kleine Wärmepumpe ausreichend, läuft effizient
Standard EFH, 150 m², 1990er
Heizlast
12-15 kW
Jahresverbrauch
6.000-8.000 kWh
WP-Größe
10-12 kW
💡 Mittlere Wärmepumpe sinnvoll
Altbau, 150 m², vor 1980
Heizlast
18-25 kW
Jahresverbrauch
10.000-14.000 kWh
WP-Größe
15-20 kW
💡 Große WP nötig oder erst dämmen
Große Villa, 250 m², gut gedämmt
Heizlast
15-20 kW
Jahresverbrauch
8.000-11.000 kWh
WP-Größe
12-16 kW
💡 Wärmepumpe optimal, auch mit PV
Heizlast und Wärmepumpen-Größe: Das richtige Verhältnis
Die Heizlast bestimmt direkt, wie groß deine Wärmepumpe sein sollte. Aber es gibt eine wichtige Regel:
Faustregel: Wärmepumpen-Größe = 70-90% der Heizlast
Die Wärmepumpe muss nicht die volle Heizlast abdecken. Der fehlende Teil wird durch den Speicher und intelligente Steuerung ausgeglichen. Das macht die Anlage wirtschaftlicher.
Beispiel: Heizlast 15 kW → Wärmepumpe 10-12 kW ist optimal.
Warum nicht die vollen 15 kW? Weil im tiefsten Winter der Speicher mithelfen kann, und die WP nicht ständig auf Vollast laufen muss.
Professionelle Heizlastberechnung: So wird es gemacht
1. Energieausweis / DIN-Berechnung
Professionelle Energieberater nutzen DIN EN 12831 Norm. Sie berücksichtigen alle Faktoren und liefern genaue Werte. Kostet 500-1.500€.
2. Thermische Gebäudesimulation
Für komplexe Häuser oder Altbauten: Computersimulation des Wärmeverhaltens. Sehr präzise, aber teuer (1.500-3.000€).
3. Schnelle Faustregel
Als Orientierung: Modernes Haus 10-15 W/m², Altbau 20-40 W/m². Multipliziert mit Grundfläche gibt Näherungswert. Aber: Nicht präzise, nur zur Orientierung.
Empfehlung: Bei Wärmepumpen sollte immer eine professionelle DIN-Berechnung erfolgen. Die 500-1.500€ sparen sich durch richtige Dimensionierung vielfach ein.
Häufige Fehler bei Heizlast-Berechnungen
❌ Zu kleine Heizlast angenommen
Folgen: Wärmepumpe ist zu klein, läuft ständig auf Hochtouren, ineffizient, Heizbetrieb mit Heizstab
Lösung: Fachmann / Energieausweis konsultieren
❌ Zu große Heizlast angenommen
Folgen: Oversized Wärmepumpe, läuft viel im Teillast-Betrieb, weniger effizient
Lösung: Lieber 10% übergroß als zu klein, ist OK
❌ Klimaanlage mit Heizlast verwechselt
Folgen: Total falsche Berechnung, falsche Gerätwahl
Lösung: Heizlast = Maximum an Heizleistung die nötig ist
❌ Alte Heizlast-Werte nutzen
Folgen: Wenn Haus zwischenzeitlich gedämmt wurde: falsche Werte
Lösung: Nach Dämmung neu berechnen (deutlich niedriger)
Heizlast sinkt mit Sanierung
Eine der wichtigsten Erkenntnisse: Sanierung reduziert die Heizlast drastisch.
• Dämmung der Fassade: -20-30% Heizlast
• Neue Fenster: -15-20% Heizlast
• Dachdämmung: -10-15% Heizlast
• Kellerdecke dämmen: -5-10% Heizlast
Kombiniert: -50-70% möglich! Das macht eine viel kleinere, günstigere Wärmepumpe nötig.
Strategie: Erst sanieren, dann Wärmepumpe. Das ist wirtschaftlicher und effizienter.
Fazit: Heizlastberechnung ist essentiell
Die Heizlastberechnung ist das Fundament der Heizungsplanung. Eine genaue Berechnung sorgt dafür, dass deine Wärmepumpe die richtige Größe hat – nicht zu klein (ineffizient) und nicht zu groß (Geldverschwendung).
Investiere die 500-1.500€ in eine professionelle DIN-Berechnung. Das spart dir mit Sicherheit mehr bei der Wahl und dem Betrieb der Wärmepumpe.
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