Die Heizlastberechnung basiert auf klaren mathematischen Formeln, die den Wärmebedarf deines Gebäudes präzise ermitteln. In diesem Artikel erfährst du, wie die Formeln funktionieren, welche Parameter wichtig sind und wie du sie in der Praxis anwendest.
Die Heizlast-Grundformel verstehen
Die grundlegende Formel
Die Heizlast setzt sich aus zwei Hauptkomponenten zusammen
Transmissionswärmeverluste
Wärme, die durch die Gebäudehülle verloren geht (Wände, Fenster, Dach, Boden). Dies ist meist der größte Anteil der Heizlast.
Lüftungswärmeverluste
Wärme, die durch Luftaustausch (Lüften) verloren geht. Dieser Anteil macht typischerweise 20-40% der Gesamtheizlast aus.
Gut zu wissen
Transmissionswärmeverluste im Detail
Die Transmissionswärmeverluste beschreiben die Wärme, die durch die Gebäudehülle verloren geht. Sie machen typischerweise 60-80% der gesamten Heizlast aus und sind damit der größte Einflussfaktor.
Transmissionswärmeverluste berechnen
Interaktiver Rechner
Was sagt der U-Wert aus?
Der U-Wert (Wärmedurchgangskoeffizient) gibt an, wie viel Wärme durch ein Bauteil bei einer Temperaturdifferenz von 1 Kelvin fließt. Je niedriger der U-Wert, desto besser die Dämmung:
- U = 0,1 - 0,2 W/(m²K): Passivhaus-Standard, exzellente Dämmung
- U = 0,2 - 0,4 W/(m²K): Neubau-Standard (KfW 40/55), sehr gute Dämmung
- U = 0,5 - 0,8 W/(m²K): Teilsanierter Altbau, mittlere Dämmung
- U = 1,0 - 2,0 W/(m²K): Unsanierter Altbau, schlechte Dämmung
Typische U-Werte im Überblick
Außenwände
Fenster
Dach/Oberste Geschossdecke
Kellerdecke/Bodenplatte
Hinweis: Je niedriger der U-Wert, desto besser die Dämmung und desto geringer die Wärmeverluste. Ein niedriger U-Wert bedeutet eine höhere Energieeffizienz und geringere Heizkosten.
Gut zu wissen
Lüftungswärmeverluste verstehen
Die Lüftungswärmeverluste entstehen durch den Luftaustausch: Warme Raumluft entweicht, kalte Außenluft strömt nach und muss wieder erwärmt werden. Der Anteil liegt typischerweise bei 20-40% der Gesamtheizlast.
Lüftungswärmeverluste berechnen
Interaktiver Rechner
Luftwechselrate richtig einschätzen
Die Luftwechselrate n gibt an, wie oft pro Stunde die komplette Raumluft ausgetauscht wird. Sie hängt stark vom Lüftungskonzept ab:
- KWL mit Wärmerückgewinnung (n = 0,1-0,2): Minimale Lüftungsverluste durch Wärmetauscher, der bis zu 90% der Wärme zurückgewinnt
- Dichte Gebäudehülle mit Fensterlüftung (n = 0,3-0,5): Moderate Verluste bei kontrollierter Lüftung
- Altbau mit undichten Fenstern (n = 0,7-1,5): Hohe Verluste durch unkontrollierten Luftaustausch
Gut zu wissen
Vollständiges Berechnungsbeispiel
Beispiel: Modernes Einfamilienhaus (KfW 55)
140 m² Wohnfläche, gut gedämmt
Transmissionswärmeverluste berechnen
Lüftungswärmeverluste berechnen
Gesamte Heizlast berechnen
Interpretation
Heizlast pro m²: 46 W/m² (140 m² Wohnfläche)
Bewertung: Typisch für ein gut gedämmtes Einfamilienhaus nach KfW 55 Standard (40-60 W/m²).
Wärmepumpe: Eine Wärmepumpe mit ca. 6-7 kW Heizleistung wäre hier ideal (10-15% Reserve).
Anteil Transmission: 70% der Gesamtheizlast entfallen auf Wärmeverluste durch die Gebäudehülle.
Berechnungsmethoden im Vergleich
Überschlägige Berechnung (geschossweise)
Schnelle Ersteinschätzung für Planung und Orientierung
Vorteile
- Sehr schnell durchführbar
- Kostenlos mit Online-Rechner
- Gut für Erstorientierung
- Keine detaillierten Gebäudedaten nötig
Nachteile
- Nicht raumgenau
- Nicht für BAFA-Förderung geeignet
- Pauschale Annahmen
- Keine individuelle Raumnutzung
DIN EN 12831 (raumweise)
Detaillierte normgerechte Berechnung für jeden Raum
Vorteile
- Sehr genau und normgerecht
- Für BAFA-Förderung erforderlich
- Berücksichtigt jeden Raum einzeln
- Heizkörper können dimensioniert werden
Nachteile
- Zeitaufwendig
- Kostet 300-800€ beim Energieberater
- Benötigt detaillierte Baupläne
- Komplex für Laien
Unsere Empfehlung: Nutze zunächst unseren kostenlosen geschossweisen Heizlastrechner für eine schnelle Ersteinschätzung und Anlagenvorauswahl. Für den BAFA-Förderantrag und die finale Auslegung benötigst du dann eine detaillierte DIN-Berechnung vom Energieberater oder Fachbetrieb.
Wichtige Einflussfaktoren auf die Heizlastformel
Neben den Hauptparametern U-Wert, Fläche und Temperaturdifferenz gibt es weitere Faktoren, die die Heizlast beeinflussen:
Klimazone & Auslegungstemperatur
Die Auslegungstemperatur variiert regional stark in Deutschland:
- Küstenregionen: -10°C bis -12°C (ΔT = 30-32 K)
- Mittelgebirge: -14°C bis -16°C (ΔT = 34-36 K)
- Alpenraum: -18°C bis -22°C (ΔT = 38-42 K)
Gebäudegeometrie (A/V-Verhältnis)
Das Verhältnis von Hüllfläche zu Volumen beeinflusst die Wärmeverluste:
- Kompakte Bauweise: Niedriges A/V, weniger Verluste
- Verwinkelte Bauweise: Hohes A/V, mehr Verluste
- Dachgeschoss: Größte Hüllfläche pro m² Wohnfläche
Fensterflächenanteil
Der Fensteranteil hat großen Einfluss auf die Transmissionsverluste:
- 10-15% Fensteranteil: Typisch für Altbau, moderat
- 20-25% Fensteranteil: Typisch für Neubau, gut
- Über 30% Fensteranteil: Hohe Verluste trotz 3-fach-Verglasung
Wärmebrücken & Kältebrücken
Wärmebrücken sind Schwachstellen in der Gebäudehülle:
- Balkonanschlüsse: Häufige Wärmebrücken
- Fensterlaibungen: Reduzierte Dämmstärke
- Rollladenkästen: Oft schlecht gedämmt
Von der Theorie zur Praxis: So nutzt du die Formeln
Das theoretische Verständnis der Formeln ist wichtig – aber wie wendest du es in der Praxis an?
Schritt 1: Überschlägige Berechnung für die Planung
Für die erste Einschätzung und Wärmepumpen-Vorauswahl empfehlen wir unseren geschossweisen Heizlastrechner. Er verwendet vereinfachte Formeln, die auf typischen Werten für dein Baujahr und Dämmstandard basieren.
Vorteile der geschossweisen Berechnung:
- ✓Schnell und kostenlosErgebnis in 5-10 Minuten, ohne Kosten
- ✓Ausreichend für VorplanungGenauigkeit ±20-30% für Anlagenvorauswahl völlig ausreichend
- ✓Keine Baupläne nötigAngaben zu Fläche, Baujahr und Dämmung reichen aus
Schritt 2: Detaillierte DIN-Berechnung für Förderung
Für den BAFA-Förderantrag und die finale Auslegung benötigst du eine detaillierte Berechnung nach DIN EN 12831. Diese wird von einem Energieberater oder Fachbetrieb durchgeführt und berücksichtigt:
- Jeden Raum einzeln mit exakten Maßen und U-Werten
- Wärmebrücken an Bauteilübergängen
- Ausrichtung und Verschattung der Räume
- Temperatur-Korrekturfaktoren für unbeheizte Nebenräume
- Aufheizleistung für schnelles Aufheizen
Gut zu wissen
Schritt 3: Wärmepumpe dimensionieren
Basierend auf der berechneten Heizlast wählst du die passende Wärmepumpen-Größe:
Eine Überdimensionierung von 10-15% ist sinnvoll für:
- Leistungsabfall der Wärmepumpe bei sehr tiefen Temperaturen
- Reserve für Warmwasserbereitung
- Puffer für unvorhergesehene Extremtemperaturen
Mehr zur richtigen Dimensionierung erfährst du in unserem Artikel Wärmepumpe richtig dimensionieren.
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Häufig gestellte Fragen
Häufig gestellte Fragen
Heizlast berechnen und Wärmepumpe optimal dimensionieren
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