Die Heizlast ist die wichtigste Kennzahl für die Dimensionierung deiner Wärmepumpe. Verstehe, was sie bedeutet, wie sie berechnet wird und warum die richtige Größe Tausende Euro sparen kann.
Was ist Heizlast? Die Definition einfach erklärt
Die Heizlast (auch Normheizlast genannt) ist die Wärmeleistung in Kilowatt (kW), die eine Heizungsanlage erbringen muss, um ein Gebäude auch bei den kältesten zu erwartenden Außentemperaturen auf der gewünschten Innentemperatur zu halten.
Sie beschreibt den maximalen Wärmebedarf deines Hauses an dem kältesten Tag des Jahres. In Deutschland wird dabei in der Regel von einer Außentemperatur zwischen -10°C und -16°C (je nach Region) und einer Innentemperatur von 20°C ausgegangen.
Technische Definition
Die Heizlast ist die Summe aller Wärmeverluste eines Gebäudes (Transmission durch Bauteile + Lüftung) bei Auslegungstemperatur, gemessen in Kilowatt (kW) oder Watt pro Quadratmeter (W/m²).
Praktische Bedeutung
Die Heizlast sagt dir, wie groß deine Wärmepumpe sein muss, damit dein Haus auch im kältesten Winter warm bleibt. Sie ist die Grundlage für die richtige Dimensionierung.
Heizlast vs. Heizleistung: Der wichtige Unterschied
Diese beiden Begriffe werden häufig verwechselt, bezeichnen aber unterschiedliche Dinge:
| Begriff | Bedeutung | Wovon abhängig? |
|---|---|---|
| Heizlast | Wärmebedarf des Gebäudes | Dämmung, Größe, Standort |
| Heizleistung | Maximale Leistung der Heizung | Technische Auslegung der Anlage |
Gut zu wissen
Die Heizleistung deiner Wärmepumpe sollte die Heizlast deines Gebäudes um etwa 10-15% überschreiten. Das gibt dir eine kleine Reserve für extreme Kälte oder Aufheizphasen, ohne dass die Anlage überdimensioniert ist.
Typische Heizlast-Werte für Einfamilienhäuser
Zur Orientierung: Die Heizlast unterscheidet sich stark je nach Gebäudetyp und Dämmstandard. Hier sind typische Werte für ein 140 m² Einfamilienhaus:
Passivhaus (ab 2010)
15-25 W/m²
2-3,5 kW
bei 140 m²
Neubau KfW 40-55 (ab 2002)
40-50 W/m²
5,5-7 kW
bei 140 m²
Teilsanierter Altbau
60-80 W/m²
8,5-11 kW
bei 140 m²
Unsanierter Altbau (vor 1995)
80-150 W/m²
11-21 kW
bei 140 m²
Woraus setzt sich die Heizlast zusammen?
Die Heizlast eines Gebäudes ergibt sich aus zwei Hauptkomponenten: den Transmissionswärmeverlusten und den Lüftungswärmeverlusten.
Transmissionswärmeverluste
Wärme, die durch die Gebäudehülle nach außen verloren geht:
- ▸Außenwände: Größter Verlustposten bei Altbauten (ca. 35%)
- ▸Fenster: 15-25% je nach Qualität und Größe
- ▸Dach: 15-20% bei schlechter Dämmung
- ▸Bodenplatte/Keller: 5-10%
(Fläche × U-Wert × Temperaturdifferenz)
Lüftungswärmeverluste
Wärme, die durch Luftaustausch verloren geht:
- ▸Fensterlüftung: Ca. 10-15% bei Altbauten mit dichteren Fenstern
- ▸Kontrollierte Wohnraumlüftung (KWL): Bis zu 40% bei Neubauten (da Transmissionsverluste gering)
- ▸Mit Wärmerückgewinnung: Verluste um 80-90% reduziert
(Luftvolumenstrom × Dichte × Wärmekapazität × Temp.diff.)
Verteilung der Wärmeverluste: Altbau vs. Neubau
Die Verteilung der Wärmeverluste unterscheidet sich stark zwischen Altbauten und modernen Neubauten. Bei Neubauten dominiert die Lüftung, da die Transmissionsverluste durch gute Dämmung minimiert sind.
Typische Verteilung der Wärmeverluste · Interaktive Darstellung
Gut zu wissen
Bei gut gedämmten Neubauten machen Lüftungswärmeverluste oft mehr als 40% der Gesamtheizlast aus. Deshalb lohnt sich hier eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung besonders — sie kann die Heizlast um 30-40% reduzieren.
Warum die Heizlast für deine Wärmepumpe entscheidend ist
Die Heizlast ist der wichtigste Ausgangspunkt für die richtige Dimensionierung deiner Wärmepumpe. Eine falsche Größe führt zu erheblichen Nachteilen — sowohl bei zu großen als auch bei zu kleinen Anlagen.
Die richtige Größe finden: Heizlast + 10-15% Reserve
Die optimale Wärmepumpe sollte etwa 10-15% größer sein als die berechnete Heizlast. Diese Reserve reicht für:
- Extreme Kälteperioden jenseits der Auslegungstemperatur
- Aufheizphasen nach längerer Abwesenheit
- Leichte Ungenauigkeiten in der Berechnung oder bauliche Änderungen
Dimensionierungs-Szenarien bei 8.5 kW Heizlast
Vergleich verschiedener Wärmepumpengrößen
Folgen falscher Dimensionierung
Zu kleine Wärmepumpe
- Räume werden im Winter nicht ausreichend warm
- Heizung läuft dauerhaft an der Leistungsgrenze
- Höherer Verschleiß durch Dauerbetrieb
- Evt. Zuschaltung teurer elektrischer Heizstäbe nötig
Zu große Wärmepumpe
- 3.000-5.000€ höhere Anschaffungskosten
- Häufiges Takten (An/Aus) = schlechter Wirkungsgrad
- Schlechtere JAZ (Jahresarbeitszahl) = höhere Stromkosten
- Kürzere Lebensdauer durch häufige Schaltzyklen
Vorteile optimaler Dimensionierung (Heizlast + 10-15%)
- Optimale Effizienz & beste JAZ
- Niedrigste Betriebskosten
- Lange Laufzeiten ohne Takten
- Maximale Lebensdauer
- Gleichmäßiger Komfort
- Reserve für Extremwetter
Heizlast und JAZ: Der Zusammenhang
Die Jahresarbeitszahl (JAZ) beschreibt die Effizienz deiner Wärmepumpe über ein ganzes Jahr. Eine korrekte Dimensionierung basierend auf der Heizlast ist entscheidend für eine hohe JAZ:
Optimal dimensioniert
JAZ 4.0-4.5: 1 kWh Strom erzeugt 4-4.5 kWh Wärme
Überdimensioniert (+30-40%)
Häufiges Takten reduziert Effizienz deutlich
Finanzielle Auswirkungen der richtigen Heizlast
Die korrekte Heizlastberechnung ist nicht nur technisch wichtig — sie hat erhebliche finanzielle Auswirkungen. Eine falsch dimensionierte Wärmepumpe kostet dich über die Lebensdauer Tausende Euro.
Kostenvergleich verschiedener Dimensionierungen
| Dimensionierung | WP-Größe | Anschaffung | Jahreskosten | 10-Jahre Gesamt |
|---|---|---|---|---|
| Zu klein | 7 kW | 12.000 € | 1.500 € | 27.000 € |
| OptimalEmpfohlen | 9 kW | 14.000 € | 950 € | 23.500 € |
| +20% | 10 kW | 15.500 € | 1.050 € | 26.000 € |
| +40% | 12 kW | 18.000 € | 1.250 € | 30.500 € |
Rechenbeispiel
Bei einer 40% Überdimensionierung (12 kW statt 9 kW) zahlst du über 10 Jahre etwa 7.000€ mehr — 4.000€ mehr Anschaffung und 3.000€ mehr Stromkosten. Eine korrekte Heizlastberechnung zahlt sich also schnell aus.
Gesamtkosten über 10 Jahre im Vergleich
Kumulative Gesamtkosten: Anschaffung + Betrieb über 10 Jahre
Weitere Kostenfaktoren durch falsche Heizlast
Indirekte Kosten bei Überdimensionierung
- •Höhere Wartungskosten durch häufigere Schaltzyklen
- •Frühere Reparaturen und Verschleißteilwechsel
- •Kürzere Lebensdauer = frühere Neuanschaffung
Einsparungen durch optimale Dimensionierung
- •Bis zu 300€/Jahr niedrigere Stromkosten vs. überdimensioniert
- •3.000-5.000€ geringere Anschaffungskosten
- •Höherer Wiederverkaufswert durch bessere Effizienz
Heizlast nach Gebäudetyp: Der große Vergleich
Die Heizlast variiert stark je nach Gebäudetyp, Baujahr und Dämmstandard. Ein modernes Passivhaus hat weniger als ein Fünftel der Heizlast eines unsanierten Altbaus — das bedeutet entsprechend kleinere Wärmepumpen und dramatisch niedrigere Heizkosten.
Passivhaus
ab 2010
Beispiel: 2-3,5 kW bei 140 m²
U-Wert: < 0.15 W/(m²K)
Neubau KfW 40-55
ab 2002
Beispiel: 5,5-7 kW bei 140 m²
U-Wert: 0.20-0.28 W/(m²K)
Teilsanierter Altbau
1970-2000
Beispiel: 8,5-11 kW bei 140 m²
U-Wert: 0.45-0.70 W/(m²K)
Unsanierter Altbau
vor 1980
Beispiel: 11-21 kW bei 140 m²
U-Wert: 1.0-2.0 W/(m²K)
Gut zu wissen
Der U-Wert (Wärmedurchgangskoeffizient) zeigt, wie viel Wärme durch ein Bauteil verloren geht. Je niedriger, desto besser die Dämmung. Ein unsanierter Altbau hat U-Werte um 1,5-2,0 W/(m²K), ein Passivhaus unter 0,15 W/(m²K) — das ist ein Faktor 10-13 weniger Wärmeverlust.
Sanierungspotenzial: Heizlast durch Dämmung reduzieren
Durch gezielte Sanierungsmaßnahmen lässt sich die Heizlast deutlich reduzieren. Das senkt nicht nur die erforderliche Wärmepumpengröße, sondern auch die laufenden Heizkosten erheblich.
Fassadendämmung (16-20 cm)
Größter Einzeleffekt
Fenster austauschen (Zweifach → Dreifach)
Hohe Wirkung bei großer Fensterfläche
Dachdämmung (25-30 cm)
Besonders wichtig bei Dachgeschoss
Kellerdeckendämmung (10-15 cm)
Günstige Maßnahme mit guter Wirkung
Lüftung mit Wärmerückgewinnung
Reduziert Lüftungsverluste um 80-90%
Häufig gestellte Fragen zur Heizlast
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