Die Heizlast deines Gebäudes hängt maßgeblich von deinem Standort ab. Ein Haus in München benötigt deutlich mehr Heizleistung als dasselbe Haus an der Nordseeküste. In diesem Artikel erfährst du, wie Klimazonen die Heizlast beeinflussen und wie du deine Wärmepumpe standortgerecht dimensionierst.
Warum Klimazonen bei der Heizlastberechnung wichtig sind
Die Heizlast beschreibt die maximale Wärmeleistung, die dein Heizsystem an den kältesten Tagen des Jahres bereitstellen muss, um alle Räume auf die gewünschte Temperatur zu bringen. Diese „kältesten Tage" sind aber in Hamburg völlig anders als in Garmisch-Partenkirchen.
Während an der Küste selten unter -10°C gemessen werden, sinkt das Thermometer in Süddeutschland und im Gebirge regelmäßig auf -15°C bis -20°C. Diese Unterschiede haben direkte Auswirkungen auf:
- Die Heizlast deines Gebäudes: Je kälter die Auslegungstemperatur, desto höher der Wärmeverlust und damit die benötigte Heizleistung
- Die Wärmepumpen-Größe: Für kältere Regionen werden leistungsstärkere Wärmepumpen benötigt
- Die Investitionskosten: Größere Wärmepumpen sind teurer in Anschaffung und Installation
- Die Betriebskosten: Höhere Heizlast bedeutet mehr Energieverbrauch in den Wintermonaten
Gut zu wissen
Die Klimazonen Deutschlands im Überblick
Deutschland lässt sich für die Heizlastberechnung in verschiedene Klimazonen einteilen, die sich hauptsächlich durch die Auslegungstemperatur unterscheiden. Die DIN EN 12831 definiert diese Temperaturen für verschiedene Regionen.
Klimazonen und Auslegungstemperaturen in Deutschland
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Hinweis: Die Auslegungstemperatur ist die niedrigste zu erwartende Außentemperatur an deinem Standort, die für die Dimensionierung der Wärmepumpe maßgeblich ist.
Die fünf Hauptklimazonen
1. Küstenregion (Nordsee/Ostsee)
- Auslegungstemperatur: -10°C
- Mildestes Klima durch maritime Einflüsse
- Geringste Heizlast in Deutschland
- Beispielstädte: Hamburg, Bremen, Kiel, Rostock, Wilhelmshaven
2. Norddeutsche Tiefebene
- Auslegungstemperatur: -12°C
- Kontinentaler Einfluss mit kälteren Wintern
- Moderate Heizlast
- Beispielstädte: Berlin, Hannover, Magdeburg, Potsdam, Braunschweig
3. Mittelgebirge und Beckenlagen
- Auslegungstemperatur: -14°C bis -15°C
- Höhere Lagen mit kühleren Wintern
- Erhöhte Heizlast
- Beispielstädte: Frankfurt, Köln, Stuttgart, Nürnberg, Kassel, Dresden
4. Alpenvorland
- Auslegungstemperatur: -16°C bis -18°C
- Deutlich kältere Winter
- Stark erhöhte Heizlast
- Beispielstädte: München, Augsburg, Freiburg, Konstanz, Ulm
5. Hochgebirge (Alpen)
- Auslegungstemperatur: -20°C und kälter
- Extremste Bedingungen in Deutschland
- Höchste Heizlast
- Beispielorte: Garmisch-Partenkirchen, Oberstdorf, Berchtesgaden
Achtung
Auslegungstemperatur verstehen und anwenden
Die Auslegungstemperatur (auch Norm-Außentemperatur) ist der wichtigste klimatische Parameter bei der Heizlastberechnung. Sie definiert die niedrigste Außentemperatur, für die dein Heizsystem ausgelegt werden soll.
Wie wird die Auslegungstemperatur bestimmt?
Die Norm basiert auf langjährigen Wetterdaten. Die Auslegungstemperatur wird so gewählt, dass sie statistisch in 10 Jahren nur an 2 bis 3 Tagen unterschritten wird. Das bedeutet:
- An 99,6% der Heizperiode kann deine Wärmepumpe die volle Heizlast decken
- An den wenigen sehr kalten Tagen kann ein bivalenter Betrieb notwendig sein
- Eine Überdimensionierung wird vermieden
- Die Effizienz der Wärmepumpe bleibt optimal
Berechnung der Heizlast mit Auslegungstemperatur
Die Heizlast wird maßgeblich durch die Temperaturdifferenz zwischen Innen- und Außentemperatur bestimmt:
Heizlast-Formel (vereinfacht)
Q = Heizlast in Watt
Tinnen = Innentemperatur (meist 20°C)
Taußen = Auslegungstemperatur (standortabhängig)
A = Fläche der Gebäudehülle in m²
U = U-Wert (Wärmedurchgangskoeffizient)
Beispiel: Ein Haus mit gleicher Dämmung und Fläche hat bei -10°C Auslegungstemperatur (Hamburg) eine Temperaturdifferenz von 30K (20°C - (-10°C)), bei -16°C (München) jedoch 36K. Das entspricht einer um 20% höheren Heizlast!
Rechenbeispiel
Einfamilienhaus, 150 m² Wohnfläche, KfW 70 Standard
- Hamburg (-10°C): ca. 7,2 kW Heizlast
- Berlin (-12°C): ca. 7,6 kW Heizlast
- Frankfurt (-14°C): ca. 8,1 kW Heizlast
- München (-16°C): ca. 8,9 kW Heizlast
- Garmisch (-20°C): ca. 10,2 kW Heizlast
Regionaler Vergleich: So unterschiedlich ist die Heizlast
Um die praktischen Auswirkungen zu verdeutlichen, vergleichen wir ein identisches Einfamilienhaus an verschiedenen Standorten in Deutschland.
Regionaler Vergleich
Heizlast für ein 150 m² Einfamilienhaus (Baujahr 2010, KfW 70)
Niedrigste Heizlast
7.2 kW
Hamburg (Küste)
Höchste Heizlast
10.2 kW
Garmisch (Gebirge)
Unterschied
+42%
Gebirge vs. Küste
Was bedeutet das konkret?
Die Unterschiede zwischen den Klimazonen haben messbare Auswirkungen auf deine Wärmepumpen-Installation:
Küstenregion (Hamburg)
- • Heizlast: 7,2 kW
- • Wärmepumpe: 8 kW ausreichend
- • Kosten: ca. 12.000-15.000 €
- • JAZ: ~3,8 (sehr effizient)
Alpenvorland (München)
- • Heizlast: 8,9 kW
- • Wärmepumpe: 10-12 kW notwendig
- • Kosten: ca. 15.000-18.000 €
- • JAZ: ~3,4 (moderate Effizienz)
Der Unterschied von über 20% in der Heizlast führt nicht nur zu höheren Anschaffungskosten, sondern auch zu höheren Betriebskosten über die gesamte Lebensdauer der Wärmepumpe.
Gut zu wissen
Wie du die Auslegungstemperatur für deinen Standort ermittelst
Um deine Wärmepumpe korrekt zu dimensionieren, benötigst du die genaue Auslegungstemperatur für deinen Standort. Es gibt mehrere Möglichkeiten, diese zu ermitteln:
1. Automatische Ermittlung mit dem vind Heizlastrechner
Der einfachste Weg: Unser kostenloser Heizlastrechner ermittelt automatisch die korrekte Auslegungstemperatur basierend auf deiner Postleitzahl. Die Datenbank enthält über 8.000 deutsche Standorte mit ihren spezifischen Klimadaten.
2. DIN EN 12831 Beiblatt 1
Das Beiblatt 1 zur DIN EN 12831 enthält Tabellen mit Auslegungstemperaturen für deutsche Städte und Regionen. Diese Norm ist allerdings kostenpflichtig und eher für Fachleute gedacht.
3. Lokale Besonderheiten beachten
Innerhalb einer Region können lokale Faktoren die Auslegungstemperatur beeinflussen:
- Höhenlage: Pro 100 Höhenmeter sinkt die Temperatur um ca. 0,5-0,7°C
- Tallage: In Tälern sammelt sich kalte Luft — bis zu 3-5°C kälter
- Stadtklima: In Innenstädten ist es 1-3°C wärmer als im Umland
- Windexposition: Exponierte Lagen ohne Windschutz sind kälter
Praxis-Tipp
Klimagerechte Wärmepumpen-Dimensionierung
Die korrekte Berücksichtigung deiner Klimazone ist entscheidend für eine effiziente und wirtschaftliche Wärmepumpe. Hier erfährst du, wie du vorgehst.
Schritt 1: Genaue Heizlast ermitteln
Starte mit einer geschossweisen Heizlastberechnung, die deine lokale Auslegungstemperatur berücksichtigt. Dabei werden erfasst:
- Standort und Klimazone (automatisch per PLZ)
- Gebäudedaten (Fläche, Dämmung, Fenster) — siehe Einflussfaktoren
- Geschossweise Besonderheiten
- Lüftungsverhalten
Schritt 2: Sicherheitszuschläge regional anpassen
Je nach Klimazone sind unterschiedliche Sicherheitszuschläge sinnvoll:
| Klimazone | Sicherheitszuschlag | Begründung |
|---|---|---|
| Küste | 0-5% | Milde Winter, selten extreme Kälte |
| Tiefebene | 5-10% | Moderate Winter, gelegentlich kalt |
| Mittelgebirge | 10-15% | Kühlere Winter, Höhenlagen |
| Alpenvorland | 15-20% | Kalte Winter, Föhn-Effekte |
| Gebirge | 20-25% | Sehr kalte Winter, extreme Lagen |
Achtung
Schritt 3: Wärmepumpen-Typ klimagerecht wählen
Verschiedene Wärmepumpen-Typen eignen sich unterschiedlich gut für verschiedene Klimazonen:
Luft-Wasser-Wärmepumpen
- ✅ Gut geeignet für Küste und Tiefebene (milde Winter)
- ⚠️ Eingeschränkt für Alpenvorland (niedrige Effizienz bei Extremkälte)
- ❌ Kritisch für Hochgebirge (ggf. bivalenter Betrieb notwendig)
Sole-Wasser-Wärmepumpen (Erdwärme)
- ✅ Hervorragend für alle Klimazonen
- ✅ Konstante Effizienz auch bei Extremkälte
- ✅ Besonders empfehlenswert für Alpenvorland und Gebirge
- ⚠️ Höhere Investitionskosten
Mehr zur Wärmepumpen-Wahl findest du in unserem Wärmepumpen-Ratgeber.
Beispielrechnungen: Heizlast in verschiedenen Klimazonen
Schauen wir uns drei konkrete Beispiele an, um die Unterschiede zu verdeutlichen.
Einfamilienhaus in Hamburg
Gebäudedaten
- • Baujahr: 2010 (KfW 70)
- • Wohnfläche: 150 m²
- • Dämmung: 14 cm Fassade
- • Fenster: 2-fach-Verglasung
Klimadaten
- • Auslegungstemperatur: -10°C
- • Innentemperatur: 20°C
- • Temperaturdifferenz: 30 K
Ergebnis
Heizlast
7,2 kW
Empfohlene WP
8 kW
Jahreskosten
~850 €
Einfamilienhaus in Frankfurt
Gebäudedaten
- • Baujahr: 2010 (KfW 70)
- • Wohnfläche: 150 m²
- • Dämmung: 14 cm Fassade
- • Fenster: 2-fach-Verglasung
Klimadaten
- • Auslegungstemperatur: -14°C
- • Innentemperatur: 20°C
- • Temperaturdifferenz: 34 K
Ergebnis
Heizlast
8,1 kW
Empfohlene WP
9 kW
Jahreskosten
~980 €
Einfamilienhaus in München
Gebäudedaten
- • Baujahr: 2010 (KfW 70)
- • Wohnfläche: 150 m²
- • Dämmung: 14 cm Fassade
- • Fenster: 2-fach-Verglasung
Klimadaten
- • Auslegungstemperatur: -16°C
- • Innentemperatur: 20°C
- • Temperaturdifferenz: 36 K
Ergebnis
Heizlast
8,9 kW
Empfohlene WP
10-12 kW
Jahreskosten
~1.150 €
Gut zu wissen
Fazit: Klimazone bei Heizlastberechnung nicht vergessen
Die Klimazone und die damit verbundene Auslegungstemperatur sind zentrale Faktoren bei der Heizlastberechnung. Ein und dasselbe Gebäude kann je nach Standort einen um 20-40% unterschiedlichen Wärmebedarf haben.
Die wichtigsten Erkenntnisse:
- Standort zählt: Die Klimazone beeinflusst die Heizlast maßgeblich — von 7 kW an der Küste bis über 10 kW im Gebirge
- Auslegungstemperatur ist entscheidend: Sie bestimmt die Temperaturdifferenz und damit die benötigte Heizleistung
- Regionale Unterschiede beachten: Höhenlage, Tallage und Stadtklima haben lokalen Einfluss
- Richtige Dimensionierung spart Geld: Weder Über- noch Unterdimensionierung sind wirtschaftlich
- Wärmepumpen-Typ anpassen: In kälteren Regionen sind Erdwärmepumpen oft die bessere Wahl
Mit dem vind Heizlastrechner ermittelst du automatisch die korrekte Auslegungstemperatur für deinen Standort und erhältst eine präzise geschossweise Heizlastberechnung — die perfekte Grundlage für die Dimensionierung deiner Wärmepumpe.
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Der vind Heizlastrechner führt eine überschlägige, geschossweise Berechnung durch. Für BAFA-Förderanträge ist eine detaillierte DIN-Berechnung erforderlich.
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