Die Heizlast deines Gebäudes wird von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst. Wer diese versteht, kann nicht nur die Heizlast korrekt berechnen, sondern auch gezielt optimieren und Heizkosten sparen.
Die wichtigsten Einflussfaktoren im Überblick
Die Heizlast deines Gebäudes setzt sich aus verschiedenen Wärmeverlusten zusammen. Um diese zu verstehen und zu beeinflussen, musst du die wichtigsten Einflussfaktoren kennen:
Relativer Einfluss der Faktoren auf die Heizlast
Die Werte zeigen den relativen Einfluss bei typischen Variationen der Parameter
Wie du in der Grafik siehst, hat die Dämmqualität mit Abstand den größten Einfluss auf deine Heizlast. Aber auch die anderen Faktoren spielen eine wichtige Rolle und können in der Summe zu erheblichen Unterschieden führen.
Gut zu wissen
1. Dämmqualität und U-Werte
Die Dämmqualität deiner Gebäudehülle hat den größten Einfluss auf die Heizlast. Sie wird durch den U-Wert (Wärmedurchgangskoeffizient) ausgedrückt, der angibt, wie viel Wärmeenergie pro Quadratmeter, pro Stunde und pro Grad Temperaturdifferenz durch ein Bauteil verloren geht.
Was bedeutet der U-Wert?
Der U-Wert wird in W/(m²K) angegeben. Ein niedriger U-Wert bedeutet gute Dämmung, ein hoher U-Wert bedeutet schlechte Dämmung. Hier ein Beispiel:
- Altbau-Wand (ungedämmt): U = 1,4 W/(m²K)
- Neubau-Wand (gedämmt): U = 0,2 W/(m²K)
- Passivhaus-Wand: U = 0,12 W/(m²K)
Eine Wand mit 100 m² Fläche und einem Temperaturunterschied von 30°C (20°C innen, -10°C außen) verliert:
- Altbau: 1,4 × 100 × 30 = 4.200 Watt (4,2 kW)
- Neubau: 0,2 × 100 × 30 = 600 Watt (0,6 kW)
- Passivhaus: 0,12 × 100 × 30 = 360 Watt (0,36 kW)
Wärmeverlust durch 100 m² Außenwand bei ΔT = 30°C
Vergleich verschiedener Dämmstandards
U = 1.4
W/(m²K)
U = 0.8
W/(m²K)
U = 0.2
W/(m²K)
U = 0.12
W/(m²K)
Gut zu wissen
Typische U-Werte nach Bauteil
Verschiedene Bauteile haben unterschiedliche U-Werte:
| Bauteil | Altbau | Neubau | Passivhaus |
|---|---|---|---|
| Außenwand | 1,2-1,5 | 0,18-0,24 | 0,10-0,15 |
| Dach / oberste Geschossdecke | 1,0-1,3 | 0,14-0,20 | 0,10-0,12 |
| Kellerdecke / Bodenplatte | 0,8-1,2 | 0,25-0,35 | 0,12-0,15 |
| Fenster (Zweifach) | 2,5-3,0 | 1,1-1,3 | - |
| Fenster (Dreifach) | - | 0,8-1,0 | 0,6-0,8 |
Alle Werte in W/(m²K)
Gut zu wissen
2. Gebäudegröße und Geometrie
Die Heizlast steigt nicht linear mit der Wohnfläche, sondern mit der Hüllfläche – also der Fläche der Außenwände, des Dachs und des Bodens. Das bedeutet: Die Gebäudeform hat einen erheblichen Einfluss auf die Heizlast.
Das A/V-Verhältnis
Das Verhältnis von Außenfläche (A) zu Volumen (V) ist ein wichtiger Indikator für die Energieeffizienz eines Gebäudes:
- Kompakte Gebäude (z.B. zweigeschossiges Einfamilienhaus): A/V = 0,6-0,8
- Bungalow (eingeschossig): A/V = 1,0-1,3
- Reihenhaus (Mittelhaus): A/V = 0,5-0,7
Je niedriger das A/V-Verhältnis, desto weniger Außenfläche im Verhältnis zum beheizten Volumen und desto geringer die Heizlast.
Einfluss der Gebäudegeometrie auf die Heizlast
Alle Gebäude: 140 m² Wohnfläche, identische Dämmung (Neubau-Standard)
Bungalow (1 Geschoss)
Heizlast
8.5 kW
Einfamilienhaus (2 Geschosse)
Heizlast
6.5 kW
Reihenhaus Mitte (2 Geschosse)
Heizlast
5.8 kW
Unterschied zwischen Bungalow und Reihenhaus: 2,7 kW = ca. 30%
Einsparung bei Investitionskosten Wärmepumpe: ~4.000-5.000 €
Gut zu wissen
Praktisches Beispiel: 140 m² Wohnfläche
Zwei Gebäude mit identischer Wohnfläche und Dämmung, aber unterschiedlicher Geometrie:
Bungalow (eingeschossig)
- • Grundfläche: 140 m²
- • Hüllfläche: ~380 m²
- • A/V-Verhältnis: 1,1
- • Heizlast (Neubau-Dämmung): 8-9 kW
Zweigeschossiges EFH
- • Grundfläche: 70 m² pro Geschoss
- • Hüllfläche: ~280 m²
- • A/V-Verhältnis: 0,7
- • Heizlast (Neubau-Dämmung): 6-7 kW
Ersparnis: 2-2,5 kW Heizlast = kleinere Wärmepumpe = 3.000-4.000€ weniger Investitionskosten.
3. Klimazone und Standort
Dein Standort in Deutschland hat erheblichen Einfluss auf die Heizlast. Deutschland ist in verschiedene Klimazonen eingeteilt, die sich in der Auslegungstemperatur unterscheiden.
Was ist die Auslegungstemperatur?
Die Auslegungstemperatur ist die niedrigste Außentemperatur, die an deinem Standort statistisch zu erwarten ist (über 10-Jahres-Mittel). Sie dient als Berechnungsgrundlage für die Heizlast.
Klimazonen in Deutschland
Auslegungstemperaturen nach DIN EN 12831
Norddeutschland (Küstenregion)
Flensburg, Hamburg, Rostock
Auslegungstemperatur
-14°C
Mitteldeutschland
Berlin, Frankfurt, Köln
Auslegungstemperatur
-12°C
Süddeutschland (Tiefland)
Freiburg, Karlsruhe, München
Auslegungstemperatur
-10°C
Gebirgslagen (ab 800m)
Garmisch, Oberstdorf, Feldberg
Auslegungstemperatur
-16°C
Unterschied zwischen wärmster und kältester Zone: 6°C
Dies entspricht ca. 15-20% Unterschied in der Heizlast
Gut zu wissen
Auswirkung der Klimazone
Gleiches Gebäude (140 m², Neubau-Dämmung) an verschiedenen Standorten:
Flensburg (Norddeutschland)
Auslegungstemperatur: -14°C
7,5 kW
Frankfurt (Mitteldeutschland)
Auslegungstemperatur: -12°C
6,8 kW
Freiburg (Süddeutschland)
Auslegungstemperatur: -10°C
6,2 kW
Garmisch (Gebirgslage, 800m)
Auslegungstemperatur: -16°C
8,2 kW
Wie du siehst, kann die Heizlast je nach Standort um bis zu 30% variieren – bei identischem Gebäude!
Gut zu wissen
4. Lüftungskonzept
Neben den Transmissionswärmeverlusten durch die Gebäudehülle spielen auch die Lüftungswärmeverluste eine wichtige Rolle. Diese hängen davon ab, wie dein Gebäude gelüftet wird.
Fensterlüftung vs. kontrollierte Wohnraumlüftung
Es gibt zwei grundsätzliche Lüftungskonzepte mit sehr unterschiedlichen Auswirkungen auf die Heizlast:
Fensterlüftung
Lüftungswärmeverluste (140 m²)
3,5-4,5 kW
Vorteile:
- Keine Investitionskosten
- Einfache Bedienung
- Keine Wartung nötig
Nachteile:
- Hohe Lüftungsverluste
- Unkontrolliert
- Schlechte Luftqualität im Winter
- Zugluft
Kontrollierte Wohnraumlüftung mit WRG
Lüftungswärmeverluste (140 m²)
0,5-0,8 kW
Vorteile:
- Sehr niedrige Lüftungsverluste
- Konstante Luftqualität
- Bedarfsgeregelt
- Pollenfilter möglich
Nachteile:
- Investitionskosten 8.000-15.000€
- Regelmäßige Wartung
- Filterwechsel nötig
Einsparung durch KWL mit WRG: 2,5-3,5 kW Heizlast
Kleinere Wärmepumpe möglich = 3.000-5.000 € Investitionsersparnis
Praktisches Beispiel: Einfamilienhaus 140 m²
Fensterlüftung
- • Luftwechsel: 0,5-0,7 /h
- • Wärmerückgewinnung: 0%
- • Lüftungswärmeverluste: 3,5-4,5 kW
- • Gesamte Heizlast: ~10-11 kW
KWL mit Wärmerückgewinnung
- • Luftwechsel: 0,4 /h (bedarfsgeregelt)
- • Wärmerückgewinnung: 80-90%
- • Lüftungswärmeverluste: 0,5-0,8 kW
- • Gesamte Heizlast: ~7-8 kW
Gut zu wissen
5. Fensterfläche und Ausrichtung
Fenster sind die Schwachstelle in der Gebäudehülle: Sie haben deutlich höhere U-Werte als Wände. Gleichzeitig bringen sie aber auch solare Gewinne – kostenlose Wärme durch Sonneneinstrahlung.
U-Werte von Fenstern
- Alte Zweifachverglasung (vor 1995): U = 2,5-3,0 W/(m²K)
- Moderne Zweifachverglasung: U = 1,1-1,3 W/(m²K)
- Dreifachverglasung: U = 0,8-1,0 W/(m²K)
- Passivhaus-Fenster: U = 0,6-0,8 W/(m²K)
Einfluss des Fensteranteils
Der Anteil der Fensterfläche an der Fassade hat großen Einfluss auf die Heizlast. Beispiel: 140 m² Einfamilienhaus, Neubau-Dämmung:
Niedriger Fensteranteil
15 m² Fensterfläche (~15% der Fassade)
6,2 kW
Mittlerer Fensteranteil
25 m² Fensterfläche (~25% der Fassade)
6,8 kW
Hoher Fensteranteil
40 m² Fensterfläche (~40% der Fassade)
7,6 kW
Gut zu wissen
Das Zusammenspiel der Faktoren
In der Praxis wirken alle Faktoren zusammen. Ein optimiertes Gebäude berücksichtigt alle Einflussfaktoren:
Ungünstige Kombination
- ✗ Altbau ohne Dämmung (U = 1,4)
- ✗ Bungalow (eingeschossig, A/V = 1,2)
- ✗ Norddeutschland (-14°C)
- ✗ Fensterlüftung
- ✗ Hoher Fensteranteil (alte Fenster)
Heizlast: ~18-22 kW
Wärmepumpe: 20-24 kW erforderlich
Optimierte Kombination
- ✓ Gute Dämmung (U = 0,2)
- ✓ Zweigeschossig (A/V = 0,7)
- ✓ Süddeutschland (-12°C)
- ✓ KWL mit WRG (90%)
- ✓ Optimierter Fensteranteil (Dreifach)
Heizlast: ~4-5 kW
Wärmepumpe: 5-6 kW ausreichend
Der Unterschied in der Heizlast beträgt Faktor 4-5! Das bedeutet:
- 75-80% niedrigere Heizkosten
- 10.000-15.000€ günstigere Wärmepumpe
- Höhere Effizienz (bessere JAZ)
- Mehr Fördermittel (z.B. für KfW-Standards)
Heizlast durch gezielte Maßnahmen optimieren
Wenn du deine Heizlast reduzieren möchtest – etwa vor der Installation einer Wärmepumpe – solltest du die Maßnahmen nach ihrer Wirkung priorisieren:
Einsparpotenzial durch Dämmung berechnen
Bewege die Schieberegler, um zu sehen, wie sich verschiedene U-Werte auf die Heizlast auswirken (Beispiel: 140 m² Einfamilienhaus).
Aktuelle Transmissionsverluste
7.9 kW
Bei optimaler Dämmung
1.6 kW
Einsparpotenzial
6.3 kW
(80% Reduktion)
Berechnung basiert auf 100 m² Außenwand, 70 m² Dach, 20 m² Fenster bei ΔT = 32°C
Prioritätenliste für Sanierungsmaßnahmen
1. Dachdämmung
Beste WirtschaftlichkeitReduziert Heizlast um 20-30%, oft günstig umsetzbar
Kosten: 50-100 €/m² • Amortisation: 8-12 Jahre
2. Fassadendämmung
Größte WirkungReduziert Heizlast um 30-40%, größte Außenfläche
Kosten: 100-200 €/m² • Amortisation: 15-25 Jahre
3. Fenstertausch
Mittlere WirkungReduziert Heizlast um 10-15%, verbessert Komfort
Kosten: 400-800 €/m² • Amortisation: 20-30 Jahre
4. Kellerdeckendämmung
Beste WirtschaftlichkeitReduziert Heizlast um 5-10%, sehr günstig umsetzbar
Kosten: 20-40 €/m² • Amortisation: 5-8 Jahre
5. KWL mit WRG
Hohe Wirkung + KomfortReduziert Heizlast um 25-35%, verbessert Luftqualität
Kosten: 8.000-15.000 € (gesamt) • Amortisation: 15-20 Jahre
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Häufig gestellte Fragen
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