Die Heizlastberechnung für Mehrfamilienhäuser ist komplexer als für Einfamilienhäuser: Unterschiedliche Wohneinheiten, verschiedene Geschosse mit unterschiedlichen Verlustflächen, und die Frage nach zentraler oder dezentraler Wärmeerzeugung. Mit der richtigen Methodik und unserem geschossweisen Ansatz erhältst du eine präzise Grundlage für die Wärmepumpen-Dimensionierung.
Warum ist die Heizlastberechnung für MFH komplex?
Ein Mehrfamilienhaus ist keine einfache Skalierung eines Einfamilienhauses. Die Heizlast verteilt sich unterschiedlich über die Geschosse, einzelne Wohneinheiten haben verschiedene Verlustflächen, und nicht alle Räume heizen gleichzeitig auf Maximum. Diese Faktoren machen die Berechnung anspruchsvoller – aber mit dem richtigen Ansatz auch präziser.
Heizlast-Verteilung in einem typischen 4-stöckigen MFH
Große Dachflächen, höchste Wärmeverluste
Mittlere Geschosse, teilweise geschützt
Mittlere Geschosse, teilweise geschützt
Kellerdecke erhöht Wärmeverluste
Ø Heizlast Gesamtgebäude
65 W/m²
Höchste Geschoss
85 W/m²
Niedrigste Geschoss
55 W/m²
Die Heizlast variiert bis zu 35% zwischen den Geschossen – ein geschossweiser Ansatz ist daher präziser als ein pauschaler Durchschnittswert.
Die drei Haupt-Herausforderungen
Geschossunterschiede
Dachgeschoss hat höchste Heizlast durch Dachflächen, Mittelgeschosse profitieren von Nachbarwohnungen
Nutzungsverhalten
Verschiedene Bewohner mit unterschiedlichen Heizgewohnheiten und Tagesabläufen
Gleichzeitigkeit
Nicht alle Wohnungen heizen gleichzeitig mit voller Leistung – das reduziert den Gesamt-Wärmebedarf
Gut zu wissen
Besonderheiten bei der Heizlastberechnung für MFH
Bei Mehrfamilienhäusern musst du zusätzliche Faktoren berücksichtigen, die bei Einfamilienhäusern keine Rolle spielen. Diese wirken sich direkt auf die benötigte Heizleistung aus.
Geschossabhängige Verlustflächen
Dachgeschoss hat Dachflächen, Erdgeschoss Kellerdecke, Mittelgeschosse nur Außenwände und Fenster
Auswirkung:
Heizlast variiert bis zu 40% zwischen Geschossen
Innere Wärmegewinne zwischen Wohnungen
Beheizte Nachbarwohnungen über/unter/neben der eigenen Wohnung reduzieren Wärmeverluste
Auswirkung:
Mittelgeschosse haben 15-25% niedrigere Heizlast
Lüftungswärmeverluste
MFH haben oft zentrale Lüftungsanlagen oder individuelle Lüftungskonzepte pro Wohnung
Auswirkung:
Zentrale Lüftung mit WRG kann Heizlast um 20-30% senken
Solare Gewinne nach Ausrichtung
Südwohnungen profitieren von Sonneneinfall, Nordwohnungen haben höhere Heizlast
Auswirkung:
Unterschied von 5-15% je nach Ausrichtung
Warmwasserbedarf
Bei zentraler Warmwasserbereitung muss die Wärmepumpe den Gesamt-Warmwasserbedarf decken
Auswirkung:
Zusätzliche 15-25% Heizleistung für Warmwasser einplanen
Unterschiedliche Solltemperaturen
Verschiedene Bewohner bevorzugen unterschiedliche Raumtemperaturen
Auswirkung:
Heizlastberechnung mit 20-22°C Standard, Reserve einplanen
Geschossweise Berechnung statt DIN-Norm
Die geschossweise Heizlastberechnung ist für Mehrfamilienhäuser besonders gut geeignet. Anders als die detaillierte DIN EN 12831-Norm erfasst sie nicht jeden einzelnen Raum, sondern arbeitet mit Geschossen als Berechnungseinheiten. Das ist schneller, praktikabler und für die Wärmepumpen-Dimensionierung völlig ausreichend.
So funktioniert die geschossweise Berechnung
In 6 einfachen Schritten
Standort & Klimadaten
Auslegungstemperatur für deinen Standort bestimmen (z.B. -12°C für München)
Geschosse erfassen
Anzahl Geschosse, Wohneinheiten pro Geschoss, und jeweilige Flächen eingeben
Dämmstandard pro Geschoss
U-Werte für Außenwände, Fenster, Dach und Kellerdecke festlegen
Geschossweise Berechnung
Heizlast wird für jedes Geschoss separat berechnet basierend auf Hüllflächen
Gleichzeitigkeitsfaktor
Anwendung des Faktors je nach Anzahl Wohneinheiten für realistischere Gesamt-Heizlast
Wärmepumpen-Empfehlung
Dimensionierung basierend auf Gesamt-Heizlast plus 10-15% Reserve
Vorteile
- • Schneller als DIN-Berechnung
- • Berücksichtigt Geschossunterschiede
- • Keine detaillierten Raumpläne nötig
- • Ausreichend für Dimensionierung
Einschränkungen
- • Nicht DIN EN 12831-konform
- • Nicht für BAFA-Anträge geeignet
- • Keine raumgenaue Auslegung
- • Überschlagsmethode (±10%)
Warum geschossweise für MFH ideal ist
- Schneller: Statt hunderte Räume einzeln zu erfassen, rechnest du pro Geschoss – das spart Zeit
- Präzise genug: Für die Wärmepumpen-Dimensionierung brauchst du keine raumgenaue Berechnung, sondern die Gesamt-Heizlast
- Berücksichtigt Unterschiede: Dachgeschoss, Mittelgeschosse und Erdgeschoss werden unterschiedlich behandelt
- Praktikabel: Auch ohne vollständige Gebäudepläne durchführbar – du brauchst nur Grundrisse und Geschossflächen
Gut zu wissen
Heizlast-Rechner für Mehrfamilienhäuser
Berechne die Heizlast für dein Mehrfamilienhaus geschossweise. Dieser vereinfachte Rechner gibt dir eine erste Einschätzung für die benötigte Wärmepumpen-Leistung.
Schnellrechner für MFH-Heizlast
Erste Einschätzung der benötigten Wärmepumpen-Leistung
Gesamt-Wohnfläche
520 m²
Theoretische Heizlast (ohne Gleichzeitigkeit)
31.2 kW
Gleichzeitigkeitsfaktor
0.75Nicht alle Wohnungen heizen gleichzeitig mit voller Leistung
Reale Gesamt-Heizlast
23.4 kW
Mit Gleichzeitigkeitsfaktor
Empfohlene Wärmepumpen-Größe
26 kW
Inkl. 10% Reserve für Spitzenlast und Warmwasser
Hinweis: Dies ist eine vereinfachte Berechnung zur ersten Orientierung. Für eine präzise Dimensionierung nutze unseren vollständigen geschossweisen Heizlastrechner.
Zentrale vs. dezentrale Wärmepumpen-Systeme
Bei Mehrfamilienhäusern hast du grundsätzlich zwei Optionen: Eine zentrale Wärmepumpe für alle Wohneinheiten oder dezentrale Einzelgeräte pro Wohnung. Beide Ansätze haben Vor- und Nachteile.
Zentrale Wärmepumpe
Eine große Wärmepumpe für alle Wohneinheiten
Vorteile
- +Gleichzeitigkeitsfaktor reduziert Gesamtleistung um 20-35%
- +Niedrigere Gesamtinvestitionskosten
- +Einfachere Wartung (nur ein System)
- +Höhere Effizienz durch größere Anlage
- +Platzsparend in den Wohnungen
Nachteile
- −Komplexe Wärmeverteilung und Abrechnungssystem nötig
- −Alle Bewohner müssen sich auf ein System einigen
- −Bei Ausfall ist gesamtes Gebäude betroffen
- −Nachrüstung im Bestand oft aufwendig
Typische Investitionskosten
40.000-80.000 € für 8-12 Wohneinheiten
Dezentrale Wärmepumpen
Separate Wärmepumpe für jede Wohneinheit
Vorteile
- +Jeder Bewohner hat volle Kontrolle über sein System
- +Schrittweise Umrüstung möglich
- +Einfache Abrechnung (jeder zahlt seinen Verbrauch)
- +Bei Ausfall nur eine Wohnung betroffen
- +Keine zentrale Wärmeverteilung nötig
Nachteile
- −Kein Gleichzeitigkeitsfaktor – höhere Gesamtleistung
- −Höhere Gesamtinvestitionskosten (8× kleine statt 1× große)
- −Platzbedarf in jeder Wohnung
- −8× Wartung statt 1× zentral
- −Oft niedrigere Effizienz bei kleinen Geräten
Typische Investitionskosten
8.000-15.000 € pro Wohnung
Kostenvergleich für 8 Wohneinheiten à 65 m²
Zentral (1× 25 kW)
Dezentral (8× 4 kW)
Kostenunterschied: 36.000 € zugunsten zentraler Lösung
Bei gleicher BAFA-Förderung (70% möglich) bleibt der Unterschied proportional bestehen
Welches System passt zu deinem MFH?
Zentrale Wärmepumpe – Wann sinnvoll?
- ✓Neubau oder Kernsanierung mit einheitlicher Wärmeverteilung
- ✓Gebäude mit zentralem Heizraum und vorhandener Verteiltechnik
- ✓Wenn Wartung zentral durch Verwalter erfolgen soll
- ✓Bei Eigentümergemeinschaften mit gemeinsamer Entscheidungsfindung
Dezentrale Wärmepumpen – Wann sinnvoll?
- ✓Bestandsgebäude mit individuellen Heizkreisen pro Wohnung
- ✓Wenn einzelne Wohnungen unabhängig saniert werden sollen
- ✓Bei unterschiedlichen Eigentümern mit eigenen Heizungsanlagen
- ✓Schrittweise Modernisierung statt einmaliger Großinvestition
Gut zu wissen
Der Gleichzeitigkeitsfaktor: Warum die Gesamt-Heizlast niedriger ist
Ein wichtiger Faktor bei Mehrfamilienhäusern: Nicht alle Wohnungen heizen gleichzeitig mit maximaler Leistung. Während eine Familie morgens die Heizung hochdreht, ist der Single-Haushalt im zweiten Stock bei der Arbeit. Diese Gleichzeitigkeit reduziert die benötigte Gesamt-Heizleistung erheblich.
Typische Gleichzeitigkeitsfaktoren
2-3 Wohneinheiten
Kleine MFH, hohe Gleichzeitigkeit
4-8 Wohneinheiten
Mittlere MFH, moderate Gleichzeitigkeit
9-20 Wohneinheiten
Große MFH, niedrigere Gleichzeitigkeit
20+ Wohneinheiten
Sehr große Objekte, geringe Gleichzeitigkeit
Beispielrechnung
8 Wohneinheiten à 60 m² mit jeweils 60 W/m² Heizlast (mittlerer Dämmstandard):
Die zentrale Wärmepumpe kann also 7,2 kW kleiner dimensioniert werden als die Summe der Einzellasten – das spart erhebliche Investitionskosten!
Gut zu wissen
Kosten- & Effizienz-Optimierung für MFH
Die richtige Dimensionierung der Wärmepumpe ist bei Mehrfamilienhäusern besonders wichtig – die Investitionssummen sind deutlich höher als bei Einfamilienhäusern. Hier einige Strategien zur Optimierung:
Heizlast vor Kauf präzise berechnen
Überdimensionierung kostet unnötig viel. Eine 30 kW Wärmepumpe kostet ca. 5.000 € mehr als eine 20 kW Anlage.
Gleichzeitigkeitsfaktor nutzen
Bei zentralen Systemen kannst du durch den Gleichzeitigkeitsfaktor die Anlage 20-35% kleiner dimensionieren.
Vorlauftemperatur optimieren
Niedrige Vorlauftemperaturen (35°C statt 55°C) verbessern die JAZ von 3,0 auf 4,5 – das sind 33% weniger Stromkosten.
Fördermittel maximal ausschöpfen
Bis zu 70% Förderung möglich. Bei 80.000 € Investition sind das 56.000 € Zuschuss – wenn du alle Boni nutzt.
Gesamt-Einsparpotenzial
Durch richtige Dimensionierung, Optimierung der Vorlauftemperatur und vollständige Ausnutzung der Fördermittel kannst du bei einem 8-Parteien-MFH Folgendes sparen:
Investitionskosten
-20.000 €
Jährliche Betriebskosten
-1.200 €
Über 20 Jahre
-44.000 €
Praxisbeispiele: MFH-Heizlastberechnung
Schauen wir uns drei typische Mehrfamilienhäuser an und wie sich die Heizlast berechnet.
Beispiel 1: Kleines MFH, Altbau
4 Wohneinheiten, Baujahr 1960, unsaniert
Wohnfläche
4 × 80 m² = 320 m²
Spez. Heizlast (Altbau)
100 W/m²
Gleichzeitigkeitsfaktor
0,85
Gesamt-Heizlast
27,2 kW
Empfehlung
Vor Wärmepumpen-Installation sollte eine Kernsanierung der Gebäudehülle erfolgen (Fenster, Dämmung). Dadurch reduziert sich die Heizlast auf ca. 15-18 kW, was eine deutlich kleinere und effizientere Wärmepumpe ermöglicht.
Beispiel 2: Mittleres MFH, saniert
8 Wohneinheiten, Baujahr 1985, KfW 85 saniert
Wohnfläche
8 × 65 m² = 520 m²
Spez. Heizlast (KfW 85)
60 W/m²
Gleichzeitigkeitsfaktor
0,75
Gesamt-Heizlast
23,4 kW
Empfehlung
Idealer Kandidat für zentrale Wärmepumpe. Mit 25 kW Heizleistung bist du auf der sicheren Seite. Kombination mit Fußbodenheizung oder großflächigen Heizkörpern für niedrige Vorlauftemperaturen empfohlen.
Beispiel 3: Neubau MFH, KfW 40
12 Wohneinheiten, Baujahr 2024, KfW 40
Wohnfläche
12 × 70 m² = 840 m²
Spez. Heizlast (KfW 40)
35 W/m²
Gleichzeitigkeitsfaktor
0,65
Gesamt-Heizlast
19,1 kW
Empfehlung
Trotz größerer Wohnfläche niedrigere Heizlast als Beispiel 2 dank exzellenter Dämmung. 20 kW Wärmepumpe ausreichend. Ideale Voraussetzungen für hohe Jahresarbeitszahl (JAZ > 4,5) durch niedrige Vorlauftemperaturen.
Förderung für Wärmepumpen in Mehrfamilienhäusern
Auch für Mehrfamilienhäuser gibt es attraktive Förderprogramme. Die Förderung wird pro Wohneinheit berechnet, was bei MFH zu hohen Gesamtförderungen führen kann.
BAFA-Förderung für Wärmepumpen in MFH
Bis zu 70% Förderung möglich
Grundförderung + Geschwindigkeitsbonus + Einkommensbonus
Max. förderfähige Kosten: 30.000 € pro Wohneinheit. Bei 8 Wohneinheiten also bis zu 240.000 € förderfähig!
Mehr Details: BAFA-Förderung Übersicht
KfW-Kredit für MFH-Sanierung
Kredit bis 150.000 € pro Wohneinheit
Zinsgünstiger Kredit + Tilgungszuschuss bei Komplettsanierung
Wenn du dein MFH komplett auf Effizienzhaus-Standard sanierst (inkl. Dämmung, Fenster, Wärmepumpe), kannst du den KfW-Kredit nutzen. Je nach erreichtem Standard gibt es Tilgungszuschüsse von 5-15%.
Mehr Details: KfW Sanieren Zuschuss
Gut zu wissen
Wärmepumpen-Planung für MFH mit vind
Bei vind kannst du deine Wärmepumpe für Mehrfamilienhäuser online planen – mit vollständiger Kostentransparenz und Festpreis-Angebot.
Komplettservice für MFH
- ✓Geschossweise Heizlastberechnung online
- ✓Detaillierte DIN-Berechnung für Förderantrag
- ✓Planung von zentralen oder dezentralen Systemen
- ✓Festpreis-Angebot inkl. Installation
Förderservice inklusive
- ✓Unterstützung bei BAFA-Antragstellung
- ✓Zusammenarbeit mit zertifizierten Energieberatern
- ✓Optimierung für maximale Förderhöhe
- ✓Transparente Darstellung der Förderung im Angebot
Gut zu wissen
Fazit: Heizlastberechnung für MFH – worauf es ankommt
Die Heizlastberechnung für Mehrfamilienhäuser ist anspruchsvoller als für Einfamilienhäuser, aber mit der richtigen Methodik gut zu bewältigen. Die wichtigsten Erkenntnisse:
Geschossweise Berechnung ist praktikabel
Die geschossweise Methode liefert ausreichend genaue Werte für die Wärmepumpen-Dimensionierung und ist deutlich schneller als eine vollständige DIN-Berechnung.
Gleichzeitigkeitsfaktor nicht vergessen
Bei zentralen Wärmepumpen kannst du durch den Gleichzeitigkeitsfaktor die Anlage deutlich kleiner (und günstiger) dimensionieren – ein wichtiger Kostenvorteil gegenüber dezentralen Systemen.
Förderung nutzen
Die BAFA-Förderung macht Wärmepumpen auch in MFH wirtschaftlich attraktiv. Mit bis zu 70% Förderung und 30.000 € pro Wohneinheit sind erhebliche Zuschüsse möglich.
Nächste Schritte
- Heizlast berechnen: Nutze unseren geschossweisen Heizlastrechner für eine erste Einschätzung
- System wählen: Entscheide zwischen zentraler oder dezentraler Wärmepumpe basierend auf deinem Gebäude
- Förderung prüfen: Informiere dich über die BAFA-Förderung und maximiere deine Zuschüsse
- Mit vind planen: Erhalte ein Festpreis-Angebot mit vollständiger Kostentransparenz inkl. Förderservice
Jetzt Heizlast für dein Mehrfamilienhaus berechnen
Nutze unseren geschossweisen Heizlastrechner speziell für Mehrfamilienhäuser. Berücksichtige alle Besonderheiten und erhalte eine präzise Grundlage für deine Wärmepumpen-Planung.
Die geschossweise Berechnung ist eine präzise Überschlagsmethode. Für BAFA-Förderanträge ist eine vollständige DIN EN 12831-Berechnung erforderlich.