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Heizlast Altbau: Besonderheiten bei unsanierten Gebäuden

Der Altbau ist eine besondere Herausforderung bei der Heizlastberechnung. Schlechte Dämmung, Wärmebrücken und Luftundichtigkeiten führen zu deutlich höheren Wärmeverlusten als im Neubau. In diesem Leitfaden erfährst du alles über typische U-Werte, Heizlast-Bereiche und wie du deine Wärmepumpe für den Altbau richtig dimensionierst.

Inhaltsverzeichnis

Autor: vind•26. Januar 2026•14 Min. Lesezeit

Die besondere Herausforderung Altbau

Als Altbau bezeichnen wir in Deutschland üblicherweise Gebäude, die vor 1995 (vor Inkrafttreten der ersten Wärmeschutzverordnung) errichtet wurden. Diese Gebäude wurden zu einer Zeit gebaut, als Energieeffizienz noch keine große Rolle spielte und Heizöl sowie Gas günstig waren.

Die Konsequenz: Altbauten haben im Vergleich zu modernen Gebäuden einen 3-5 mal höheren Wärmebedarf. Das stellt besondere Anforderungen an die Heizlastberechnung und die Dimensionierung der Wärmepumpe.

Schlechte Dämmung

Außenwände mit U-Werten von 1,2-1,8 W/(m²K) statt 0,15-0,24 W/(m²K) wie im Neubau. Das entspricht dem 5-10-fachen Wärmeverlust pro Quadratmeter.

Wärmebrücken

Fensterlaibungen, Balkonanschlüsse und Rollladenkästen ohne Dämmung. Diese "Kältebrücken" können die Heizlast zusätzlich um 10-25% erhöhen.

Luftundichtheit

Undichte Fenster und Türen führen zu unkontrollierten Luftwechselraten von 0,7-1,5 h⁻¹ statt 0,3-0,4 h⁻¹ wie bei kontrollierten Lüftungssystemen.

Gut zu wissen

Bei der Heizlastberechnung für Altbauten ist es besonders wichtig, realistische Werte anzusetzen. Zu optimistische Annahmen führen zu einer zu klein dimensionierten Wärmepumpe, die dein Haus an kalten Tagen nicht ausreichend warm halten kann.

Warum ist die Heizlast im Altbau so viel höher?

Die Heizlast setzt sich aus zwei Hauptkomponenten zusammen:

  • Transmissionswärmeverluste: Wärme, die durch die Gebäudehülle (Wände, Fenster, Dach, Boden) nach außen verloren geht
  • Lüftungswärmeverluste: Wärme, die durch den Luftaustausch (Fensterlüftung, Undichtigkeiten) verloren geht

Beide Komponenten sind im Altbau deutlich höher:

KomponenteAltbau (unsaniert)Neubau (KfW 55)Faktor
Transmission (pro m² Fläche)60-100 W/m²25-35 W/m²3-4×
Lüftung (pro m² Fläche)20-50 W/m²15-20 W/m²1,5-2,5×
Gesamt80-150 W/m²40-55 W/m²2-3,5×

Gut zu wissen

Ein 140 m² Einfamilienhaus benötigt im Altbau etwa 10-15 kWHeizleistung, während ein vergleichbarer Neubau mit 5-7 kW auskommt. Das ist eine Verdoppelung bis Verdreifachung der benötigten Wärmepumpenleistung.

Typische U-Werte im Altbau

Der U-Wert (Wärmedurchgangskoeffizient) ist die wichtigste Kennzahl für die Dämmqualität eines Bauteils. Er gibt an, wie viel Wärme pro Quadratmeter Fläche und pro Grad Temperaturdifferenz durch das Bauteil verloren geht. Die Einheit ist W/(m²K).

Je niedriger der U-Wert, desto besser die Dämmung. Altbauten haben durchweg deutlich höhere (schlechtere) U-Werte als moderne Gebäude.

U-Werte im Vergleich (W/m²K)

Detaillierte U-Werte nach Bauteil

1. Außenwände

WandaufbauTypisches BaujahrU-Wert
Vollziegelmauerwerk 24 cm, ungedämmtvor 19601,7-1,8 W/(m²K)
Vollziegelmauerwerk 36 cm, ungedämmt1960-19781,2-1,4 W/(m²K)
Zweischaliges Mauerwerk, ungedämmt1950-19801,0-1,3 W/(m²K)
Mit 6 cm Dämmung (nachträglich)saniert0,45-0,50 W/(m²K)
Mit 14-16 cm Dämmung (KfW-Standard)saniert0,20-0,24 W/(m²K)

2. Dach / Oberste Geschossdecke

DachaufbauZustandU-Wert
Steildach, ungedämmtunsaniert1,5-2,5 W/(m²K)
Oberste Geschossdecke, ungedämmtunsaniert1,0-1,5 W/(m²K)
Dachbodendämmung 20 cm (aufgelegt)einfach saniert0,18-0,22 W/(m²K)
Zwischensparrendämmung 16-20 cmsaniert0,15-0,18 W/(m²K)

3. Kellerdecke / Bodenplatte

AufbauZustandU-Wert
Kellerdecke, ungedämmtunsaniert1,0-1,5 W/(m²K)
Kellerdecke mit 8-10 cm Dämmungsaniert0,30-0,40 W/(m²K)
Bodenplatte ohne Perimeterdämmungunsaniert0,8-1,2 W/(m²K)

4. Fenster

FenstertypTypisches BaujahrU-Wert
Einfachverglasungvor 19755,0-5,8 W/(m²K)
Doppelverglasung (alte Kastenfenster)1960-19952,5-3,0 W/(m²K)
Isolierverglasung1995-20051,3-1,8 W/(m²K)
Wärmeschutzverglasung 2-fachab 20051,0-1,3 W/(m²K)
Wärmeschutzverglasung 3-fachab 20150,7-0,9 W/(m²K)

Gut zu wissen

Tipp für die Heizlastberechnung: Wenn du das genaue Baujahr und den Sanierungszustand deines Altbaus kennst, kannst du diese Tabellen nutzen, um realistische U-Werte für die Berechnung anzusetzen. Der vind Heizlastrechner bietet dir Vorschläge basierend auf typischen Werten.

Gut zu wissen

Die U-Werte sind der wichtigste Faktor für die Transmissionswärmeverluste. Mehr dazu erfährst du in unserem Artikel über U-Wert und Heizlast.

Wärmebrücken und Luftdichtheit im Altbau

Neben den schlechten U-Werten der Hauptbauteile sind Wärmebrücken und Luftundichtigkeiten zwei weitere große Problemzonen im Altbau, die die Heizlast deutlich erhöhen.

Was sind Wärmebrücken?

Wärmebrücken (oft fälschlicherweise "Kältebrücken" genannt) sind Bereiche in der Gebäudehülle, durch die besonders viel Wärme nach außen verloren geht. Sie entstehen durch:

  • Geometrische Wärmebrücken: Gebäudeecken, wo die Außenfläche größer ist als die Innenfläche
  • Konstruktive Wärmebrücken: Durchdringungen der Dämmung durch Bauteile mit höherer Wärmeleitfähigkeit (z.B. Stahlträger, Betonstürze)
  • Materialbedingte Wärmebrücken: Unterschiedliche Materialien mit verschiedenen Wärmeleitfähigkeiten treffen aufeinander

Typische Wärmebrücken im Altbau

  • Fensterlaibungen ohne Dämmung
  • Rollladenkästen (oft komplett ungedämmt)
  • Balkon- und Terrassenanschlüsse
  • Deckenanschlüsse an Außenwände
  • Kellerwände teilweise über Erdreich
  • Dachüberstände mit Durchdringungen

Luftundichtigkeiten

  • Undichte Fenster und Türen
  • Fugen zwischen Fensterrahmen und Mauerwerk
  • Durchführungen für Leitungen und Rohre
  • Dachluken und Dachbodenzugänge
  • Elektro- und Steckdoseneinbau
  • Risse im Mauerwerk

Einfluss auf die Heizlast

Wärmebrücken und Luftundichtigkeiten werden in der Heizlastberechnung durch Zuschläge berücksichtigt:

FaktorAltbau unsaniertAltbau teilsaniertNeubau
Wärmebrückenzuschlag+15-25%+10-15%+5-10%
Luftwechselrate (h⁻¹)0,7-1,50,5-0,70,3-0,4
Lüftungswärmeverluste20-50 W/m²18-25 W/m²15-20 W/m²

Gut zu wissen

Achtung: Wärmebrücken sind nicht nur ein Energieproblem, sondern können auch zu Schimmelbildung führen. An kalten Oberflächen kondensiert die Luftfeuchtigkeit, was ideale Bedingungen für Schimmel schafft. Temperaturen unter 12-13°C an Innenwänden sind kritisch.

Wärmebrückenzuschlag in der Heizlastberechnung

Bei der geschossweisen Heizlastberechnung (wie im vind Heizlastrechner) wird ein pauschaler Wärmebrückenzuschlag auf die berechneten Transmissionswärmeverluste aufgeschlagen:

Altbau unsaniert+20%
Teilsaniert (neue Fenster)+12%
Saniert mit WDVS+7%
Neubau mit optimierter Planung+5%

Gut zu wissen

Beispielrechnung: Wenn deine Transmissionswärmeverluste ohne Wärmebrücken bei 8.000 W liegen, kommen bei einem unsanierten Altbau noch 1.600 W hinzu (+20%). Die Gesamt-Transmissionslast beträgt dann 9.600 W.

Maßnahmen zur Reduzierung

Während eine vollständige Sanierung aller Wärmebrücken aufwendig ist, gibt es auch kostengünstige Maßnahmen:

  • Fensterdichtungen erneuern: Günstige und wirksame Maßnahme (10-30€ pro Fenster)
  • Rollladenkästen dämmen: Oft ist von innen eine nachträgliche Dämmung möglich (50-100€ pro Kasten)
  • Kellerdecke dämmen: Sehr gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis und reduziert kalte Böden im EG (30-50€/m²)
  • Dachbodenluke abdichten und dämmen: Verhindert großen Wärmeverlust nach oben (100-200€)

Mehr zu wirtschaftlichen Sanierungsmaßnahmen findest du im Abschnitt Sanierungsprioritäten.

Heizlast-Bereiche nach Baujahr und Sanierungszustand

Die Heizlast eines Altbaus hängt stark vom Baujahr ab, da die energetischen Anforderungen über die Jahrzehnte schrittweise verschärft wurden. Hier findest du typische Heizlast-Bereiche für verschiedene Altbau-Generationen.

Typische Heizlast nach Baujahr (W/m² Wohnfläche)

Detaillierte Heizlast-Bereiche

Altbau vor 1960: 120-150 W/m²

Die ältesten Bestandsgebäude haben die höchsten Heizlasten:

  • Vollziegelmauerwerk 24-36 cm ohne jegliche Dämmung
  • Einfachverglasung oder alte Kastenfenster
  • Ungedämmtes Dach und Kellerdecke
  • Hohe Raumhöhen (2,8-3,5 m) erhöhen das zu beheizende Volumen
  • Viele Wärmebrücken und Luftundichtigkeiten

Gut zu wissen

Beispiel: Ein 140 m² Einfamilienhaus aus dem Jahr 1950 benötigt etwa 17-21 kW Heizleistung. Das entspricht einer sehr großen Wärmepumpe, die auch höhere Vorlauftemperaturen (55-60°C) ermöglichen sollte.

Altbau 1960-1978: 90-120 W/m²

Diese Generation von Altbauten hat bereits etwas dickere Wände, aber immer noch keine Dämmung:

  • Außenwände 30-36 cm, teilweise Lochziegel
  • Erste Isolierglasfenster bei Sanierungen
  • Dämmung meist nur bei nachträglichen Sanierungen vorhanden
  • Hohlschichtmauerwerk teilweise mit Luftschicht

Gut zu wissen

Beispiel: Ein 140 m² Einfamilienhaus aus dem Jahr 1970 benötigt etwa 12-17 kW Heizleistung.

Altbau 1979-1994: 70-90 W/m²

Mit der ersten Wärmeschutzverordnung (1977) wurden erste energetische Anforderungen eingeführt:

  • Teilweise erste Wärmedämmung (oft dünn, 4-6 cm)
  • Verbesserte Fensterqualität (Isolierverglasung)
  • Dämmung der obersten Geschossdecke oft vorhanden
  • Dennoch nach heutigen Standards deutlich unzureichend

Gut zu wissen

Beispiel: Ein 140 m² Einfamilienhaus aus dem Jahr 1985 benötigt etwa 10-13 kW Heizleistung.

Altbau 1995-2001: 60-80 W/m²

Die dritte Wärmeschutzverordnung (1995) brachte deutliche Verbesserungen:

  • Bessere Dämmstandards (8-12 cm an Außenwänden)
  • Wärmeschutzverglasung wurde Standard
  • Kontrollierte Wohnraumlüftung bei manchen Gebäuden
  • Übergang zu modernen Energiestandards

Gut zu wissen

Beispiel: Ein 140 m² Einfamilienhaus aus dem Jahr 1998 benötigt etwa 8-11 kW Heizleistung.

Teilsanierter Altbau: 50-70 W/m²

Bei teilsanierten Altbauten (neue Fenster + eine weitere Maßnahme wie Dachdämmung oder Kellerdeckendämmung):

  • Moderne Wärmeschutzverglasung (U-Wert 0,9-1,3 W/(m²K))
  • Dach- oder Kellerdeckendämmung vorhanden
  • Außenwände oft noch ungedämmt
  • Deutlich reduzierte Luftwechselrate durch dichte Fenster

Gut zu wissen

Beispiel: Ein 140 m² teilsaniertes Einfamilienhaus benötigt etwa 7-10 kW Heizleistung. Das liegt nur noch knapp über einem modernen Neubau.

GebäudetypHeizlast pro m²Gesamt (140 m²)Empfohlene WP-Größe
Altbau vor 1960120-150 W/m²17-21 kW18-23 kW
Altbau 1960-197890-120 W/m²12-17 kW14-18 kW
Altbau 1979-199470-90 W/m²10-13 kW11-14 kW
Altbau 1995-200160-80 W/m²8-11 kW9-12 kW
Teilsaniert50-70 W/m²7-10 kW8-11 kW
Neubau KfW 5540-50 W/m²5-7 kW6-8 kW

Gut zu wissen

Wichtig: Diese Werte sind Durchschnittswerte und können je nach Standort (Klimazone), Gebäudegeometrie (Hüllfläche zu Wohnfläche) und konkretem Dämmzustand abweichen. Nutze den vind Heizlastrechner für eine individuelle, geschossweise Berechnung.

Regionale Unterschiede

Die oben genannten Werte gelten für deutsche Durchschnittsstandorte mit Auslegungstemperaturen von -10°C bis -14°C. In kälteren Regionen (Hochlagen, Süddeutschland) können die Werte um 10-20% höher liegen.

Mehr zu regionalen Unterschieden erfährst du in unserem Artikel über Heizlast nach Klimazonen.

Sanierungsprioritäten: Heizlast wirtschaftlich senken

Nicht jeder Altbau muss vollständig saniert werden, um eine Wärmepumpe effizient betreiben zu können. Oft reichen gezielte Maßnahmen, um die Heizlast deutlich zu senken und die Wirtschaftlichkeit der Wärmepumpe zu verbessern.

Die richtige Reihenfolge der Sanierungsmaßnahmen ist entscheidend für die Wirtschaftlichkeit. Hier sind die wichtigsten Maßnahmen nach Kosten-Nutzen-Verhältnis geordnet:

1

Kellerdeckendämmung

10-15% Heizlast30-50€/m²Amortisation: 5-10 Jahre
  • Warme Böden im Erdgeschoss
  • Sehr gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis
  • Einfache Montage von unten möglich
  • Keine Genehmigung erforderlich
1

Dachbodendämmung

15-20% Heizlast40-60€/m²Amortisation: 8-12 Jahre
  • Größter Effekt bei ungedämmten Dächern
  • Einfach als Auflagedämmung möglich
  • Kühler im Sommer
  • Förderung über KfW/BAFA möglich
2

Fenstertausch

15-25% Heizlast400-800€/FensterAmortisation: 15-25 Jahre
  • Erhöhter Wohnkomfort (keine Zugluft)
  • Besserer Schallschutz
  • Wertsteigerung der Immobilie
  • Reduziert Wärmebrücken deutlich
3

Fassadendämmung (WDVS)

25-35% Heizlast100-180€/m²Amortisation: 20-30 Jahre
  • Größte absolute Einsparung
  • Verringert Wärmebrücken
  • Schützt Bausubstanz
  • Neue Fassadengestaltung möglich

Gut zu wissen

Tipp: Bei vind kannst du nicht nur deine Heizlast berechnen, sondern auch direkt eine Wärmepumpe mit Installation beauftragen. Wir beraten dich auch zu sinnvollen Sanierungsmaßnahmen vor der Installation.

Die optimale Sanierungsstrategie für Wärmepumpen-Eignung

Für die meisten Altbauten empfiehlt sich folgende Vorgehensweise:

1

Heizlast berechnen (Ist-Zustand)

Ermittle zunächst die aktuelle Heizlast deines Gebäudes mit dem vind Heizlastrechner. So weißt du, wo du stehst und welche Maßnahmen am meisten bringen.

2

Priorität 1 umsetzen (Dach + Keller)

Dachboden- und Kellerdeckendämmung sind schnell umgesetzt und haben das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis. Kosten: ca. 5.000-8.000€ für ein typisches Einfamilienhaus. Heizlastreduktion: 20-30%.

3

Fenster austauschen (falls alt)

Wenn du noch Einfachverglasung oder sehr alte Fenster hast, ist ein Austausch sinnvoll. Das reduziert nicht nur die Heizlast um 15-25%, sondern erhöht auch den Wohnkomfort deutlich. Kosten: 8.000-15.000€ für ein Einfamilienhaus.

4

Heizlast neu berechnen (Soll-Zustand)

Berechne die Heizlast nach den Sanierungsmaßnahmen neu. In den meisten Fällen solltest du jetzt bei 50-70 W/m² liegen – perfekt für eine effiziente Wärmepumpe.

5

Wärmepumpe dimensionieren und installieren

Jetzt kannst du die Wärmepumpe passend zur reduzierten Heizlast dimensionieren und installieren. Bei vind erhältst du Festpreise inkl. Installation und alle Kosten transparent im Voraus.

6

Optional: Fassadendämmung später

Die Fassadendämmung ist die teuerste Maßnahme und kann auch später erfolgen, z.B. wenn ohnehin eine neue Fassade fällig ist. Die Wärmepumpe ist bereits effizient genug durch die anderen Maßnahmen.

Gut zu wissen

Wirtschaftliches Optimum: Eine Teilsanierung (Dach, Keller, Fenster) kostet etwa 15.000-25.000€ und senkt die Heizlast um 40-60%. Das ermöglicht den Einsatz einer deutlich kleineren und effizienteren Wärmepumpe, was die Investitionskosten und laufenden Stromkosten deutlich reduziert.

Wann lohnt sich die Sanierung vor der Wärmepumpe?

Eine Sanierung vor der Wärmepumpen-Installation lohnt sich besonders, wenn:

  • Heizlast über 100 W/m²: Sehr hohe Heizlast macht die Wärmepumpe unwirtschaftlich (niedrige JAZ, hohe Stromkosten)
  • Fenster vor 1995: Alte Fenster sind meist undicht und haben sehr hohe U-Werte
  • Ungedämmtes Dach: Der Großteil der Wärme geht nach oben verloren
  • Heizkörper zu klein: Wenn du neue Heizkörper brauchst, lohnt sich gleichzeitig eine Dämmung

Eine Wärmepumpe ohne Sanierung kann sinnvoll sein bei:

  • Teilsanierten Gebäuden (bereits Fenster getauscht, Dach gedämmt)
  • Baujahr nach 1985 mit moderaten U-Werten
  • Fußbodenheizung vorhanden (niedrige Vorlauftemperaturen möglich)
  • Sehr großen Heizkörpern, die auch bei niedrigen Vorlauftemperaturen ausreichen

Gut zu wissen

Wichtig: Lass dich bei vind beraten, ob eine Wärmepumpe in deinem Altbau direkt oder erst nach Sanierungsmaßnahmen sinnvoll ist. Wir helfen dir bei der Berechnung der Wirtschaftlichkeit verschiedener Varianten.

Wärmepumpe für den Altbau richtig dimensionieren

Die richtige Dimensionierung der Wärmepumpe ist im Altbau noch wichtiger als im Neubau. Zu klein dimensionierte Anlagen können das Haus nicht warm halten, zu groß dimensionierte Anlagen sind teuer und ineffizient.

Besonderheiten bei der Altbau-Dimensionierung

Höhere Vorlauftemperaturen

Altbauten benötigen meist 50-60°C Vorlauftemperatur statt 35-45°C wie im Neubau. Das reduziert die Effizienz (JAZ) der Wärmepumpe deutlich.

Größere Leistung nötig

Die 2-3× höhere Heizlast erfordert deutlich größere Wärmepumpen. Ein 140 m² Altbau braucht 10-15 kW statt 5-7 kW wie ein vergleichbarer Neubau.

Modulierende Wärmepumpen

Inverter-Wärmepumpen mit Modulation (z.B. 30-100%) passen ihre Leistung an den Bedarf an und arbeiten dadurch auch im Altbau effizienter.

Vorlauftemperatur und Effizienz (JAZ)

Die Vorlauftemperatur hat einen großen Einfluss auf die Jahresarbeitszahl (JAZ) der Wärmepumpe. Je höher die benötigte Vorlauftemperatur, desto schlechter die Effizienz:

JAZ in Abhängigkeit von der Vorlauftemperatur

Gut zu wissen

Lesehilfe: Eine Wärmepumpe im Neubau mit 35°C Vorlauftemperatur erreicht eine JAZ von 4,2 (aus 1 kWh Strom werden 4,2 kWh Wärme). Im unsanierten Altbau mit 60°C Vorlauftemperatur sinkt die JAZ auf 3,1 – trotzdem noch deutlich besser als eine Gasheizung.

Dimensionierungsschritte für den Altbau

1

Heizlast berechnen

Ermittle die Heizlast mit dem vind Heizlastrechner geschossweise. Berücksichtige realistische U-Werte basierend auf dem Baujahr und Sanierungszustand.

2

Benötigte Vorlauftemperatur prüfen

Prüfe, welche Vorlauftemperatur deine bestehenden Heizkörper benötigen. Bei kleinen Heizkörpern können 55-60°C nötig sein, bei großen oder Fußbodenheizung oft 45-50°C.

3

Wärmepumpe mit 10-15% Reserve wählen

Wähle eine Wärmepumpe, die 10-15% mehr Leistung hat als die berechnete Heizlast. Beispiel: Bei 12 kW Heizlast wähle eine 13-14 kW Wärmepumpe. Das kompensiert Unsicherheiten und extreme Kältetage.

4

Hochtemperatur-fähige Wärmepumpe wählen

Achte darauf, dass die Wärmepumpe die benötigte Vorlauftemperatur auch bei -10°C Außentemperatur noch liefern kann. Nicht alle Wärmepumpen schaffen 60°C bei tiefen Außentemperaturen.

5

Bivalenten Betrieb prüfen (optional)

Bei sehr hohen Heizlasten (über 15 kW) kann ein bivalenter Betrieb (Wärmepumpe + elektrischer Heizstab für Spitzenlasten) wirtschaftlicher sein als eine sehr große Monoblock-Wärmepumpe.

Typische Wärmepumpen-Größen für Altbauten

WohnflächeHeizlast unsaniertEmpfohlene WP-GrößeJAZ bei 55°C VL
100 m²8-12 kW9-14 kW2,8-3,2
140 m²10-15 kW11-17 kW2,8-3,2
180 m²14-20 kW16-22 kW2,8-3,2
220 m²18-24 kW20-27 kW2,8-3,2

Gut zu wissen

Bei vind erhältst du nach der Heizlastberechnung direkt eine Empfehlung für die passende Wärmepumpen-Größe. Du kannst dann online eine Wärmepumpe mit Installation beauftragen – mit Festpreis und transparenten Kosten.

Wirtschaftlichkeit im Altbau

Trotz der höheren Vorlauftemperaturen und schlechteren JAZ ist eine Wärmepumpe im Altbau meist wirtschaftlicher als Öl- oder Gasheizungen:

HeizsystemWirkungsgrad / JAZEnergiepreisKosten pro kWh Wärme
Ölheizung85-90%10-12 ct/kWh11-14 ct/kWh
Gasheizung90-95%9-11 ct/kWh9-12 ct/kWh
Wärmepumpe Altbau (ohne Solar)JAZ 3,030 ct/kWh10 ct/kWh
Wärmepumpe Altbau + SolarJAZ 3,015 ct/kWh gemischt5 ct/kWh

Gut zu wissen

Kombination mit Solar optimal: Wenn du deine Wärmepumpe mit einer Solaranlage kombinierst, kannst du 40-60% des Wärmepumpen-Stroms selbst erzeugen. Das senkt die Heizkosten im Altbau auf das Niveau eines Neubaus. Bei vind kannst du beides – Wärmepumpe und Solar – in einem Paket online planen und beauftragen.

Mehr zur richtigen Dimensionierung findest du in unserem Leitfaden Wärmepumpe richtig dimensionieren.

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Häufig gestellte Fragen

Die Heizlast bei einem unsanierten Altbau liegt typischerweise zwischen 80 und 150 W/m². Ein durchschnittliches Einfamilienhaus mit 140 m² Wohnfläche benötigt daher etwa 10-15 kW Heizleistung. Bei teilsanierten Altbauten reduziert sich dies auf 60-80 W/m² (8-10 kW). Die genaue Heizlast hängt stark vom Dämmstandard, Baujahr und Sanierungszustand ab.

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