Die besondere Herausforderung Altbau
Als Altbau bezeichnen wir in Deutschland üblicherweise Gebäude, die vor 1995 (vor Inkrafttreten der ersten Wärmeschutzverordnung) errichtet wurden. Diese Gebäude wurden zu einer Zeit gebaut, als Energieeffizienz noch keine große Rolle spielte und Heizöl sowie Gas günstig waren.
Die Konsequenz: Altbauten haben im Vergleich zu modernen Gebäuden einen 3-5 mal höheren Wärmebedarf. Das stellt besondere Anforderungen an die Heizlastberechnung und die Dimensionierung der Wärmepumpe.
Schlechte Dämmung
Außenwände mit U-Werten von 1,2-1,8 W/(m²K) statt 0,15-0,24 W/(m²K) wie im Neubau. Das entspricht dem 5-10-fachen Wärmeverlust pro Quadratmeter.
Wärmebrücken
Fensterlaibungen, Balkonanschlüsse und Rollladenkästen ohne Dämmung. Diese "Kältebrücken" können die Heizlast zusätzlich um 10-25% erhöhen.
Luftundichtheit
Undichte Fenster und Türen führen zu unkontrollierten Luftwechselraten von 0,7-1,5 h⁻¹ statt 0,3-0,4 h⁻¹ wie bei kontrollierten Lüftungssystemen.
Gut zu wissen
Bei der Heizlastberechnung für Altbauten ist es besonders wichtig, realistische Werte anzusetzen. Zu optimistische Annahmen führen zu einer zu klein dimensionierten Wärmepumpe, die dein Haus an kalten Tagen nicht ausreichend warm halten kann.
Warum ist die Heizlast im Altbau so viel höher?
Die Heizlast setzt sich aus zwei Hauptkomponenten zusammen:
- Transmissionswärmeverluste: Wärme, die durch die Gebäudehülle (Wände, Fenster, Dach, Boden) nach außen verloren geht
- Lüftungswärmeverluste: Wärme, die durch den Luftaustausch (Fensterlüftung, Undichtigkeiten) verloren geht
Beide Komponenten sind im Altbau deutlich höher:
| Komponente | Altbau (unsaniert) | Neubau (KfW 55) | Faktor |
|---|---|---|---|
| Transmission (pro m² Fläche) | 60-100 W/m² | 25-35 W/m² | 3-4× |
| Lüftung (pro m² Fläche) | 20-50 W/m² | 15-20 W/m² | 1,5-2,5× |
| Gesamt | 80-150 W/m² | 40-55 W/m² | 2-3,5× |
Gut zu wissen
Ein 140 m² Einfamilienhaus benötigt im Altbau etwa 10-15 kWHeizleistung, während ein vergleichbarer Neubau mit 5-7 kW auskommt. Das ist eine Verdoppelung bis Verdreifachung der benötigten Wärmepumpenleistung.
Typische U-Werte im Altbau
Der U-Wert (Wärmedurchgangskoeffizient) ist die wichtigste Kennzahl für die Dämmqualität eines Bauteils. Er gibt an, wie viel Wärme pro Quadratmeter Fläche und pro Grad Temperaturdifferenz durch das Bauteil verloren geht. Die Einheit ist W/(m²K).
Je niedriger der U-Wert, desto besser die Dämmung. Altbauten haben durchweg deutlich höhere (schlechtere) U-Werte als moderne Gebäude.
U-Werte im Vergleich (W/m²K)
Detaillierte U-Werte nach Bauteil
1. Außenwände
| Wandaufbau | Typisches Baujahr | U-Wert |
|---|---|---|
| Vollziegelmauerwerk 24 cm, ungedämmt | vor 1960 | 1,7-1,8 W/(m²K) |
| Vollziegelmauerwerk 36 cm, ungedämmt | 1960-1978 | 1,2-1,4 W/(m²K) |
| Zweischaliges Mauerwerk, ungedämmt | 1950-1980 | 1,0-1,3 W/(m²K) |
| Mit 6 cm Dämmung (nachträglich) | saniert | 0,45-0,50 W/(m²K) |
| Mit 14-16 cm Dämmung (KfW-Standard) | saniert | 0,20-0,24 W/(m²K) |
2. Dach / Oberste Geschossdecke
| Dachaufbau | Zustand | U-Wert |
|---|---|---|
| Steildach, ungedämmt | unsaniert | 1,5-2,5 W/(m²K) |
| Oberste Geschossdecke, ungedämmt | unsaniert | 1,0-1,5 W/(m²K) |
| Dachbodendämmung 20 cm (aufgelegt) | einfach saniert | 0,18-0,22 W/(m²K) |
| Zwischensparrendämmung 16-20 cm | saniert | 0,15-0,18 W/(m²K) |
3. Kellerdecke / Bodenplatte
| Aufbau | Zustand | U-Wert |
|---|---|---|
| Kellerdecke, ungedämmt | unsaniert | 1,0-1,5 W/(m²K) |
| Kellerdecke mit 8-10 cm Dämmung | saniert | 0,30-0,40 W/(m²K) |
| Bodenplatte ohne Perimeterdämmung | unsaniert | 0,8-1,2 W/(m²K) |
4. Fenster
| Fenstertyp | Typisches Baujahr | U-Wert |
|---|---|---|
| Einfachverglasung | vor 1975 | 5,0-5,8 W/(m²K) |
| Doppelverglasung (alte Kastenfenster) | 1960-1995 | 2,5-3,0 W/(m²K) |
| Isolierverglasung | 1995-2005 | 1,3-1,8 W/(m²K) |
| Wärmeschutzverglasung 2-fach | ab 2005 | 1,0-1,3 W/(m²K) |
| Wärmeschutzverglasung 3-fach | ab 2015 | 0,7-0,9 W/(m²K) |
Gut zu wissen
Tipp für die Heizlastberechnung: Wenn du das genaue Baujahr und den Sanierungszustand deines Altbaus kennst, kannst du diese Tabellen nutzen, um realistische U-Werte für die Berechnung anzusetzen. Der vind Heizlastrechner bietet dir Vorschläge basierend auf typischen Werten.
Gut zu wissen
Die U-Werte sind der wichtigste Faktor für die Transmissionswärmeverluste. Mehr dazu erfährst du in unserem Artikel über U-Wert und Heizlast.
Wärmebrücken und Luftdichtheit im Altbau
Neben den schlechten U-Werten der Hauptbauteile sind Wärmebrücken und Luftundichtigkeiten zwei weitere große Problemzonen im Altbau, die die Heizlast deutlich erhöhen.
Was sind Wärmebrücken?
Wärmebrücken (oft fälschlicherweise "Kältebrücken" genannt) sind Bereiche in der Gebäudehülle, durch die besonders viel Wärme nach außen verloren geht. Sie entstehen durch:
- Geometrische Wärmebrücken: Gebäudeecken, wo die Außenfläche größer ist als die Innenfläche
- Konstruktive Wärmebrücken: Durchdringungen der Dämmung durch Bauteile mit höherer Wärmeleitfähigkeit (z.B. Stahlträger, Betonstürze)
- Materialbedingte Wärmebrücken: Unterschiedliche Materialien mit verschiedenen Wärmeleitfähigkeiten treffen aufeinander
Typische Wärmebrücken im Altbau
- Fensterlaibungen ohne Dämmung
- Rollladenkästen (oft komplett ungedämmt)
- Balkon- und Terrassenanschlüsse
- Deckenanschlüsse an Außenwände
- Kellerwände teilweise über Erdreich
- Dachüberstände mit Durchdringungen
Luftundichtigkeiten
- Undichte Fenster und Türen
- Fugen zwischen Fensterrahmen und Mauerwerk
- Durchführungen für Leitungen und Rohre
- Dachluken und Dachbodenzugänge
- Elektro- und Steckdoseneinbau
- Risse im Mauerwerk
Einfluss auf die Heizlast
Wärmebrücken und Luftundichtigkeiten werden in der Heizlastberechnung durch Zuschläge berücksichtigt:
| Faktor | Altbau unsaniert | Altbau teilsaniert | Neubau |
|---|---|---|---|
| Wärmebrückenzuschlag | +15-25% | +10-15% | +5-10% |
| Luftwechselrate (h⁻¹) | 0,7-1,5 | 0,5-0,7 | 0,3-0,4 |
| Lüftungswärmeverluste | 20-50 W/m² | 18-25 W/m² | 15-20 W/m² |
Gut zu wissen
Achtung: Wärmebrücken sind nicht nur ein Energieproblem, sondern können auch zu Schimmelbildung führen. An kalten Oberflächen kondensiert die Luftfeuchtigkeit, was ideale Bedingungen für Schimmel schafft. Temperaturen unter 12-13°C an Innenwänden sind kritisch.
Wärmebrückenzuschlag in der Heizlastberechnung
Bei der geschossweisen Heizlastberechnung (wie im vind Heizlastrechner) wird ein pauschaler Wärmebrückenzuschlag auf die berechneten Transmissionswärmeverluste aufgeschlagen:
Gut zu wissen
Beispielrechnung: Wenn deine Transmissionswärmeverluste ohne Wärmebrücken bei 8.000 W liegen, kommen bei einem unsanierten Altbau noch 1.600 W hinzu (+20%). Die Gesamt-Transmissionslast beträgt dann 9.600 W.
Maßnahmen zur Reduzierung
Während eine vollständige Sanierung aller Wärmebrücken aufwendig ist, gibt es auch kostengünstige Maßnahmen:
- Fensterdichtungen erneuern: Günstige und wirksame Maßnahme (10-30€ pro Fenster)
- Rollladenkästen dämmen: Oft ist von innen eine nachträgliche Dämmung möglich (50-100€ pro Kasten)
- Kellerdecke dämmen: Sehr gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis und reduziert kalte Böden im EG (30-50€/m²)
- Dachbodenluke abdichten und dämmen: Verhindert großen Wärmeverlust nach oben (100-200€)
Mehr zu wirtschaftlichen Sanierungsmaßnahmen findest du im Abschnitt Sanierungsprioritäten.
Heizlast-Bereiche nach Baujahr und Sanierungszustand
Die Heizlast eines Altbaus hängt stark vom Baujahr ab, da die energetischen Anforderungen über die Jahrzehnte schrittweise verschärft wurden. Hier findest du typische Heizlast-Bereiche für verschiedene Altbau-Generationen.
Typische Heizlast nach Baujahr (W/m² Wohnfläche)
Detaillierte Heizlast-Bereiche
Altbau vor 1960: 120-150 W/m²
Die ältesten Bestandsgebäude haben die höchsten Heizlasten:
- Vollziegelmauerwerk 24-36 cm ohne jegliche Dämmung
- Einfachverglasung oder alte Kastenfenster
- Ungedämmtes Dach und Kellerdecke
- Hohe Raumhöhen (2,8-3,5 m) erhöhen das zu beheizende Volumen
- Viele Wärmebrücken und Luftundichtigkeiten
Gut zu wissen
Beispiel: Ein 140 m² Einfamilienhaus aus dem Jahr 1950 benötigt etwa 17-21 kW Heizleistung. Das entspricht einer sehr großen Wärmepumpe, die auch höhere Vorlauftemperaturen (55-60°C) ermöglichen sollte.
Altbau 1960-1978: 90-120 W/m²
Diese Generation von Altbauten hat bereits etwas dickere Wände, aber immer noch keine Dämmung:
- Außenwände 30-36 cm, teilweise Lochziegel
- Erste Isolierglasfenster bei Sanierungen
- Dämmung meist nur bei nachträglichen Sanierungen vorhanden
- Hohlschichtmauerwerk teilweise mit Luftschicht
Gut zu wissen
Beispiel: Ein 140 m² Einfamilienhaus aus dem Jahr 1970 benötigt etwa 12-17 kW Heizleistung.
Altbau 1979-1994: 70-90 W/m²
Mit der ersten Wärmeschutzverordnung (1977) wurden erste energetische Anforderungen eingeführt:
- Teilweise erste Wärmedämmung (oft dünn, 4-6 cm)
- Verbesserte Fensterqualität (Isolierverglasung)
- Dämmung der obersten Geschossdecke oft vorhanden
- Dennoch nach heutigen Standards deutlich unzureichend
Gut zu wissen
Beispiel: Ein 140 m² Einfamilienhaus aus dem Jahr 1985 benötigt etwa 10-13 kW Heizleistung.
Altbau 1995-2001: 60-80 W/m²
Die dritte Wärmeschutzverordnung (1995) brachte deutliche Verbesserungen:
- Bessere Dämmstandards (8-12 cm an Außenwänden)
- Wärmeschutzverglasung wurde Standard
- Kontrollierte Wohnraumlüftung bei manchen Gebäuden
- Übergang zu modernen Energiestandards
Gut zu wissen
Beispiel: Ein 140 m² Einfamilienhaus aus dem Jahr 1998 benötigt etwa 8-11 kW Heizleistung.
Teilsanierter Altbau: 50-70 W/m²
Bei teilsanierten Altbauten (neue Fenster + eine weitere Maßnahme wie Dachdämmung oder Kellerdeckendämmung):
- Moderne Wärmeschutzverglasung (U-Wert 0,9-1,3 W/(m²K))
- Dach- oder Kellerdeckendämmung vorhanden
- Außenwände oft noch ungedämmt
- Deutlich reduzierte Luftwechselrate durch dichte Fenster
Gut zu wissen
Beispiel: Ein 140 m² teilsaniertes Einfamilienhaus benötigt etwa 7-10 kW Heizleistung. Das liegt nur noch knapp über einem modernen Neubau.
| Gebäudetyp | Heizlast pro m² | Gesamt (140 m²) | Empfohlene WP-Größe |
|---|---|---|---|
| Altbau vor 1960 | 120-150 W/m² | 17-21 kW | 18-23 kW |
| Altbau 1960-1978 | 90-120 W/m² | 12-17 kW | 14-18 kW |
| Altbau 1979-1994 | 70-90 W/m² | 10-13 kW | 11-14 kW |
| Altbau 1995-2001 | 60-80 W/m² | 8-11 kW | 9-12 kW |
| Teilsaniert | 50-70 W/m² | 7-10 kW | 8-11 kW |
| Neubau KfW 55 | 40-50 W/m² | 5-7 kW | 6-8 kW |
Gut zu wissen
Wichtig: Diese Werte sind Durchschnittswerte und können je nach Standort (Klimazone), Gebäudegeometrie (Hüllfläche zu Wohnfläche) und konkretem Dämmzustand abweichen. Nutze den vind Heizlastrechner für eine individuelle, geschossweise Berechnung.
Regionale Unterschiede
Die oben genannten Werte gelten für deutsche Durchschnittsstandorte mit Auslegungstemperaturen von -10°C bis -14°C. In kälteren Regionen (Hochlagen, Süddeutschland) können die Werte um 10-20% höher liegen.
Mehr zu regionalen Unterschieden erfährst du in unserem Artikel über Heizlast nach Klimazonen.
Sanierungsprioritäten: Heizlast wirtschaftlich senken
Nicht jeder Altbau muss vollständig saniert werden, um eine Wärmepumpe effizient betreiben zu können. Oft reichen gezielte Maßnahmen, um die Heizlast deutlich zu senken und die Wirtschaftlichkeit der Wärmepumpe zu verbessern.
Die richtige Reihenfolge der Sanierungsmaßnahmen ist entscheidend für die Wirtschaftlichkeit. Hier sind die wichtigsten Maßnahmen nach Kosten-Nutzen-Verhältnis geordnet:
Kellerdeckendämmung
- Warme Böden im Erdgeschoss
- Sehr gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis
- Einfache Montage von unten möglich
- Keine Genehmigung erforderlich
Dachbodendämmung
- Größter Effekt bei ungedämmten Dächern
- Einfach als Auflagedämmung möglich
- Kühler im Sommer
- Förderung über KfW/BAFA möglich
Fenstertausch
- Erhöhter Wohnkomfort (keine Zugluft)
- Besserer Schallschutz
- Wertsteigerung der Immobilie
- Reduziert Wärmebrücken deutlich
Fassadendämmung (WDVS)
- Größte absolute Einsparung
- Verringert Wärmebrücken
- Schützt Bausubstanz
- Neue Fassadengestaltung möglich
Gut zu wissen
Tipp: Bei vind kannst du nicht nur deine Heizlast berechnen, sondern auch direkt eine Wärmepumpe mit Installation beauftragen. Wir beraten dich auch zu sinnvollen Sanierungsmaßnahmen vor der Installation.
Die optimale Sanierungsstrategie für Wärmepumpen-Eignung
Für die meisten Altbauten empfiehlt sich folgende Vorgehensweise:
Heizlast berechnen (Ist-Zustand)
Ermittle zunächst die aktuelle Heizlast deines Gebäudes mit dem vind Heizlastrechner. So weißt du, wo du stehst und welche Maßnahmen am meisten bringen.
Priorität 1 umsetzen (Dach + Keller)
Dachboden- und Kellerdeckendämmung sind schnell umgesetzt und haben das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis. Kosten: ca. 5.000-8.000€ für ein typisches Einfamilienhaus. Heizlastreduktion: 20-30%.
Fenster austauschen (falls alt)
Wenn du noch Einfachverglasung oder sehr alte Fenster hast, ist ein Austausch sinnvoll. Das reduziert nicht nur die Heizlast um 15-25%, sondern erhöht auch den Wohnkomfort deutlich. Kosten: 8.000-15.000€ für ein Einfamilienhaus.
Heizlast neu berechnen (Soll-Zustand)
Berechne die Heizlast nach den Sanierungsmaßnahmen neu. In den meisten Fällen solltest du jetzt bei 50-70 W/m² liegen – perfekt für eine effiziente Wärmepumpe.
Wärmepumpe dimensionieren und installieren
Jetzt kannst du die Wärmepumpe passend zur reduzierten Heizlast dimensionieren und installieren. Bei vind erhältst du Festpreise inkl. Installation und alle Kosten transparent im Voraus.
Optional: Fassadendämmung später
Die Fassadendämmung ist die teuerste Maßnahme und kann auch später erfolgen, z.B. wenn ohnehin eine neue Fassade fällig ist. Die Wärmepumpe ist bereits effizient genug durch die anderen Maßnahmen.
Gut zu wissen
Wirtschaftliches Optimum: Eine Teilsanierung (Dach, Keller, Fenster) kostet etwa 15.000-25.000€ und senkt die Heizlast um 40-60%. Das ermöglicht den Einsatz einer deutlich kleineren und effizienteren Wärmepumpe, was die Investitionskosten und laufenden Stromkosten deutlich reduziert.
Wann lohnt sich die Sanierung vor der Wärmepumpe?
Eine Sanierung vor der Wärmepumpen-Installation lohnt sich besonders, wenn:
- Heizlast über 100 W/m²: Sehr hohe Heizlast macht die Wärmepumpe unwirtschaftlich (niedrige JAZ, hohe Stromkosten)
- Fenster vor 1995: Alte Fenster sind meist undicht und haben sehr hohe U-Werte
- Ungedämmtes Dach: Der Großteil der Wärme geht nach oben verloren
- Heizkörper zu klein: Wenn du neue Heizkörper brauchst, lohnt sich gleichzeitig eine Dämmung
Eine Wärmepumpe ohne Sanierung kann sinnvoll sein bei:
- Teilsanierten Gebäuden (bereits Fenster getauscht, Dach gedämmt)
- Baujahr nach 1985 mit moderaten U-Werten
- Fußbodenheizung vorhanden (niedrige Vorlauftemperaturen möglich)
- Sehr großen Heizkörpern, die auch bei niedrigen Vorlauftemperaturen ausreichen
Gut zu wissen
Wichtig: Lass dich bei vind beraten, ob eine Wärmepumpe in deinem Altbau direkt oder erst nach Sanierungsmaßnahmen sinnvoll ist. Wir helfen dir bei der Berechnung der Wirtschaftlichkeit verschiedener Varianten.
Wärmepumpe für den Altbau richtig dimensionieren
Die richtige Dimensionierung der Wärmepumpe ist im Altbau noch wichtiger als im Neubau. Zu klein dimensionierte Anlagen können das Haus nicht warm halten, zu groß dimensionierte Anlagen sind teuer und ineffizient.
Besonderheiten bei der Altbau-Dimensionierung
Höhere Vorlauftemperaturen
Altbauten benötigen meist 50-60°C Vorlauftemperatur statt 35-45°C wie im Neubau. Das reduziert die Effizienz (JAZ) der Wärmepumpe deutlich.
Größere Leistung nötig
Die 2-3× höhere Heizlast erfordert deutlich größere Wärmepumpen. Ein 140 m² Altbau braucht 10-15 kW statt 5-7 kW wie ein vergleichbarer Neubau.
Modulierende Wärmepumpen
Inverter-Wärmepumpen mit Modulation (z.B. 30-100%) passen ihre Leistung an den Bedarf an und arbeiten dadurch auch im Altbau effizienter.
Vorlauftemperatur und Effizienz (JAZ)
Die Vorlauftemperatur hat einen großen Einfluss auf die Jahresarbeitszahl (JAZ) der Wärmepumpe. Je höher die benötigte Vorlauftemperatur, desto schlechter die Effizienz:
JAZ in Abhängigkeit von der Vorlauftemperatur
Gut zu wissen
Lesehilfe: Eine Wärmepumpe im Neubau mit 35°C Vorlauftemperatur erreicht eine JAZ von 4,2 (aus 1 kWh Strom werden 4,2 kWh Wärme). Im unsanierten Altbau mit 60°C Vorlauftemperatur sinkt die JAZ auf 3,1 – trotzdem noch deutlich besser als eine Gasheizung.
Dimensionierungsschritte für den Altbau
Heizlast berechnen
Ermittle die Heizlast mit dem vind Heizlastrechner geschossweise. Berücksichtige realistische U-Werte basierend auf dem Baujahr und Sanierungszustand.
Benötigte Vorlauftemperatur prüfen
Prüfe, welche Vorlauftemperatur deine bestehenden Heizkörper benötigen. Bei kleinen Heizkörpern können 55-60°C nötig sein, bei großen oder Fußbodenheizung oft 45-50°C.
Wärmepumpe mit 10-15% Reserve wählen
Wähle eine Wärmepumpe, die 10-15% mehr Leistung hat als die berechnete Heizlast. Beispiel: Bei 12 kW Heizlast wähle eine 13-14 kW Wärmepumpe. Das kompensiert Unsicherheiten und extreme Kältetage.
Hochtemperatur-fähige Wärmepumpe wählen
Achte darauf, dass die Wärmepumpe die benötigte Vorlauftemperatur auch bei -10°C Außentemperatur noch liefern kann. Nicht alle Wärmepumpen schaffen 60°C bei tiefen Außentemperaturen.
Bivalenten Betrieb prüfen (optional)
Bei sehr hohen Heizlasten (über 15 kW) kann ein bivalenter Betrieb (Wärmepumpe + elektrischer Heizstab für Spitzenlasten) wirtschaftlicher sein als eine sehr große Monoblock-Wärmepumpe.
Typische Wärmepumpen-Größen für Altbauten
| Wohnfläche | Heizlast unsaniert | Empfohlene WP-Größe | JAZ bei 55°C VL |
|---|---|---|---|
| 100 m² | 8-12 kW | 9-14 kW | 2,8-3,2 |
| 140 m² | 10-15 kW | 11-17 kW | 2,8-3,2 |
| 180 m² | 14-20 kW | 16-22 kW | 2,8-3,2 |
| 220 m² | 18-24 kW | 20-27 kW | 2,8-3,2 |
Gut zu wissen
Bei vind erhältst du nach der Heizlastberechnung direkt eine Empfehlung für die passende Wärmepumpen-Größe. Du kannst dann online eine Wärmepumpe mit Installation beauftragen – mit Festpreis und transparenten Kosten.
Wirtschaftlichkeit im Altbau
Trotz der höheren Vorlauftemperaturen und schlechteren JAZ ist eine Wärmepumpe im Altbau meist wirtschaftlicher als Öl- oder Gasheizungen:
| Heizsystem | Wirkungsgrad / JAZ | Energiepreis | Kosten pro kWh Wärme |
|---|---|---|---|
| Ölheizung | 85-90% | 10-12 ct/kWh | 11-14 ct/kWh |
| Gasheizung | 90-95% | 9-11 ct/kWh | 9-12 ct/kWh |
| Wärmepumpe Altbau (ohne Solar) | JAZ 3,0 | 30 ct/kWh | 10 ct/kWh |
| Wärmepumpe Altbau + Solar | JAZ 3,0 | 15 ct/kWh gemischt | 5 ct/kWh |
Gut zu wissen
Kombination mit Solar optimal: Wenn du deine Wärmepumpe mit einer Solaranlage kombinierst, kannst du 40-60% des Wärmepumpen-Stroms selbst erzeugen. Das senkt die Heizkosten im Altbau auf das Niveau eines Neubaus. Bei vind kannst du beides – Wärmepumpe und Solar – in einem Paket online planen und beauftragen.
Mehr zur richtigen Dimensionierung findest du in unserem Leitfaden Wärmepumpe richtig dimensionieren.
Heizlast für deinen Altbau berechnen
Nutze unseren kostenlosen Heizlastrechner, um die benötigte Wärmepumpenleistung für dein Altbau-Gebäude zu ermitteln. Die geschossweise Berechnung berücksichtigt deine individuellen Dämmstandards und liefert eine realistische Einschätzung.
Der vind Heizlastrechner führt eine überschlägige, geschossweise Berechnung durch. Für BAFA-Förderanträge ist eine detaillierte DIN-Berechnung erforderlich.
Häufig gestellte Fragen
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