Die richtige Größe deiner Wärmepumpe ist entscheidend für Effizienz, Komfort und Wirtschaftlichkeit. Erfahre in diesem umfassenden Leitfaden, wie du die optimale Wärmepumpengröße basierend auf deiner Heizlast ermittelst.
Die Frage nach der richtigen Wärmepumpengröße ist eine der wichtigsten Entscheidungen beim Heizungswechsel. Eine zu große Wärmepumpe kostet dich mehrere tausend Euro mehr und arbeitet ineffizient. Eine zu kleine Wärmepumpe wird dein Haus an kalten Tagen nicht warm bekommen.
Die gute Nachricht: Mit der richtigen Heizlastberechnung findest du die perfekte Größe. In diesem Leitfaden zeigen wir dir Schritt für Schritt, wie du von deiner Heizlast zur optimalen Wärmepumpengröße kommst.
Gut zu wissen
Die Grundlagen der Wärmepumpen-Dimensionierung
Die Dimensionierung einer Wärmepumpe folgt einem klaren Prinzip: Die Heizleistung der Wärmepumpe muss die Heizlast deines Gebäudes abdecken können.
Was bedeutet "Größe" bei einer Wärmepumpe?
Mit "Größe" ist die Nennwärmeleistung der Wärmepumpe gemeint, angegeben in Kilowatt (kW). Das ist die maximale Heizleistung, die die Wärmepumpe unter bestimmten Normbedingungen erbringen kann.
Beispiele typischer Wärmepumpengrößen:
- 4-6 kW: Passivhäuser, sehr gut gedämmte kleine Gebäude
- 6-8 kW: Neubauten nach KfW 55 Standard, gut sanierte Altbauten (ca. 120-150 m²)
- 8-12 kW: Teilsanierte Altbauten, größere Neubauten (ca. 150-200 m²)
- 12-16 kW: Unsanierte Altbauten, größere Gebäude mit mittlerem Dämmstandard
- 16+ kW: Große Altbauten, Mehrfamilienhäuser
Gut zu wissen
Warum ist die richtige Größe so wichtig?
Die Dimensionierung deiner Wärmepumpe hat massive Auswirkungen auf:
Anschaffungskosten
Jeder zusätzliche kW kostet ca. 600-1.000€. Eine um 5 kW zu große Wärmepumpe kostet dich 3.000-5.000€ mehr.
Effizienz (JAZ)
Überdimensionierte Wärmepumpen takten häufiger (schalten oft an und aus), was die Jahresarbeitszahl (JAZ) um 10-20% verschlechtert.
Stromkosten
Eine schlechtere JAZ bedeutet höheren Stromverbrauch. Bei 10.000 kWh Wärmebedarf und 10% schlechterer JAZ zahlst du ca. 300€/Jahr mehr.
Lebensdauer
Häufiges Takten belastet den Kompressor und verkürzt die Lebensdauer der Wärmepumpe.
Gut zu wissen
Das Goldilocks-Prinzip: Nicht zu groß, nicht zu klein
Die optimale Wärmepumpengröße liegt in einem schmalen Korridor:
- Zu klein (unter 100% Heizlast): Die Wärmepumpe kann an kalten Tagen die gewünschte Temperatur nicht halten. Der elektrische Heizstab muss einspringen, was sehr teuer ist.
- Optimal (100-115% Heizlast): Die Wärmepumpe deckt die Heizlast ab und hat einen kleinen Puffer für besonders kalte Tage.
- Zu groß (über 120% Heizlast): Die Wärmepumpe läuft die meiste Zeit im Teillastbetrieb, taktet häufig und arbeitet ineffizient.
Im nächsten Abschnitt schauen wir uns genau an, wie du von deiner Heizlast zur optimalen Wärmepumpengröße kommst.
Von der Heizlast zur Wärmepumpengröße: Die Realität
In der Theorie klingt es einfach: Heizlast berechnen, passende Wärmepumpe wählen, fertig. Die Praxis sieht anders aus: Wärmepumpen gibt es nicht in jeder beliebigen Größe.
Schritt 1: Heizlast berechnen
Ermittle zunächst deine Heizlast in Kilowatt (kW). Das ist die Wärmeleistung, die deine Heizung an den kältesten Tagen des Jahres erbringen muss.
Du kannst deine Heizlast mit unserem kostenlosen Heizlastrechner in wenigen Minuten berechnen. Alternativ kannst du eine DIN EN 12831 Berechnung von einem Energieberater durchführen lassen.
Schritt 2: Verfügbare Hersteller-Leistungsstufen prüfen
Wärmepumpen gibt es nur in festen Leistungsstufen. Die gängigen Stufen bei Luft-Wasser-Wärmepumpen:
| Leistungsstufe | Typisch für |
|---|---|
| 4-6 kW | Kleine Neubauten, KfW 40/55 |
| 6-8 kW | Neubauten KfW 55, gut sanierte Altbauten |
| 8-10 kW | Große Neubauten, sanierte Altbauten |
| 10-13 kW | Teilsanierte Altbauten |
| 13-16 kW | Unsanierte Altbauten, große Objekte |
Gut zu wissen
Schritt 3: Die richtige Stufe wählen – mit Heizstab-Strategie
Fast jede moderne Wärmepumpe hat einen integrierten elektrischen Heizstab (typisch 3-9 kW). Dieser schaltet zu, wenn die Wärmepumpe allein nicht ausreicht. Die Frage ist: Wie oft soll er laufen?
- ✓ Niedrigere Anschaffungskosten
- ✓ Längere Laufzeiten = höhere JAZ
- ✓ Weniger Taktung
- ✓ Heizstab läuft selten (<5%)
- ✓ Reserve an sehr kalten Tagen
- ✓ Geeignet bei unsicherer Dämmqualität
Gut zu wissen
Praxisbeispiel: Die richtige Wahl
- → 89% der Heizlast
- → Heizstab-Anteil: ~12-15%
- → JAZ gesamt: ~4,0
- → 111% der Heizlast
- → Heizstab-Anteil: <3%
- → JAZ gesamt: ~4,5
- → 144% der Heizlast
- → Viel Taktung
- → JAZ gesamt: ~4,1
Wichtig: Auf die Betriebsbedingungen achten
Die Nennleistung einer Wärmepumpe wird unter genormten Bedingungen angegeben (z.B. A7/W35 für Luft-Wasser-WP: 7°C Außentemperatur, 35°C Vorlauftemperatur).
Bei anderen Bedingungen ändert sich die Leistung! Eine 10 kW Wärmepumpe (bei A7/W35) liefert bei -10°C Außentemperatur und 45°C Vorlauftemperatur möglicherweise nur noch 7-8 kW.
Gut zu wissen
Im nächsten Abschnitt kannst du die optimale Größe deiner Wärmepumpe interaktiv ermitteln – inklusive Berücksichtigung der verfügbaren Leistungsstufen.
Wärmepumpengröße interaktiv ermitteln
Nutze unseren interaktiven Rechner, um die optimale Größe deiner Wärmepumpe basierend auf deiner Heizlast zu ermitteln.
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Der vind Heizlastrechner führt eine überschlägige, geschossweise Berechnung durch. Für BAFA-Förderanträge ist eine detaillierte DIN-Berechnung erforderlich.
Der entscheidende Einfluss der Vorlauftemperatur
Ein häufig übersehener Faktor bei der Dimensionierung: Die Vorlauftemperatur hat einen massiven Einfluss auf die tatsächliche Leistung deiner Wärmepumpe.
Warum ist die Vorlauftemperatur so wichtig?
Die Nennleistung einer Wärmepumpe wird bei einer bestimmten Vorlauftemperatur angegeben (meist 35°C). Je höher die Vorlauftemperatur, desto mehr muss die Wärmepumpe "arbeiten" und desto geringer wird ihre Leistung.
Gut zu wissen
Leistungskurve: Beispiel 12 kW Luft-Wasser-Wärmepumpe
Die folgende Grafik zeigt die tatsächliche Leistung einer 12 kW Wärmepumpe (Nennleistung bei A7/W35) bei verschiedenen Außentemperaturen und Vorlauftemperaturen.
Konsequenzen für die Dimensionierung
Wenn du weißt, dass deine Wärmepumpe mit höheren Vorlauftemperaturen arbeiten muss, musst du dies bei der Dimensionierung berücksichtigen:
→ Bei 50°C Vorlauf nur noch ca. 9 kW verfügbar
→ Zu klein!
12,5 kW × 1,15 = 14,4 kW Wärmepumpe
→ Bei 50°C Vorlauf ca. 11,5 kW verfügbar ✓
Gut zu wissen
Lohnt sich eine Heizkörperoptimierung?
Wenn deine Heizlast eine große Wärmepumpe erfordert, nur weil deine Heizkörper hohe Vorlauftemperaturen benötigen, kann es wirtschaftlich sein, zunächst die Heizkörper zu vergrößern oder gegen Niedertemperaturheizkörper zu tauschen.
In vielen Fällen amortisiert sich die Heizkörperoptimierung durch die bessere Effizienz innerhalb von 5-10 Jahren.
Dimensionierungsunterschiede nach Wärmepumpentyp
Die Heizlast bleibt immer die Grundlage, aber die Art der Wärmepumpe beeinflusst, wie du den Sicherheitszuschlag wählst und welche Betriebsbedingungen du berücksichtigen musst.
Luft-Wasser-Wärmepumpen
- • Leistung sinkt bei niedrigen Außentemperaturen (genau dann, wenn sie gebraucht wird!)
- • Bei -15°C etwa 15-25% weniger Leistung als bei +7°C (Normpunkt)
- • Zusätzlich Abtauverluste bei Temperaturen um 0°C (Vereisung des Verdampfers)
- • Prüfe die Leistung bei der Auslegungstemperatur deines Standorts (z.B. A-10/W35 für München)
- • Achte auf gute Leistungszahlen bei niedrigen Temperaturen (COP bei A-10 oder A-15)
- • Berücksichtige die benötigte Vorlauftemperatur (bei Altbauten mit Heizkörpern)
Sole-Wasser-Wärmepumpen (Erdwärme)
- • Konstante Quelltemperatur (Erdreich hat das ganze Jahr über etwa 8-12°C)
- • Leistung bleibt auch bei extremen Außentemperaturen stabil
- • Keine Abtauverluste
- • Höhere Effizienz (bessere JAZ) als Luft-WP
- • Erdkollektor muss ausreichend dimensioniert sein (ca. 1,5-2x Wohnfläche)
- • Bei Erdsonden: Tiefenbohrung muss zur Leistung passen (ca. 50 W/m Sonde)
- • Vorlauftemperatur sollte möglichst niedrig sein (ideal: 35°C) für beste Effizienz
Oder Erdsonde: ca. 200m Tiefe (10 kW ÷ 50 W/m = 200m)
Wasser-Wasser-Wärmepumpen (Grundwasser)
Ähnlich wie Sole-Wasser-WP: Konstante Quelltemperatur (Grundwasser meist 8-12°C), sehr stabile Leistung, hohe Effizienz.
Sicherheitszuschlag: 10%, allerdings ist eine wasserrechtliche Genehmigung erforderlich und die Installation aufwändiger (Förder- und Schluckbrunnen).
Vergleich der Dimensionierung
| Typ | Zuschlag | Leistungsstabilität | JAZ typisch |
|---|---|---|---|
| Luft-Wasser | 13-15% | Temperaturabhängig ↓ | 3,0-3,5 |
| Sole-Wasser | 10-12% | Sehr stabil → | 4,0-4,5 |
| Wasser-Wasser | 10% | Sehr stabil → | 4,5-5,0 |
Gut zu wissen
Häufige Fehler bei der Wärmepumpen-Dimensionierung
Selbst Fachbetriebe machen bei der Dimensionierung oft Fehler. Hier sind die häufigsten Fallstricke – und wie du sie vermeidest.
Fehler #1: Dimensionierung nur nach Wohnfläche
"140 m² Haus = 10 kW Wärmepumpe" ist eine viel zu grobe Daumenregel
Immer eine vollständige Heizlastberechnung durchführen, die Dämmstandard, U-Werte, Fensterflächen und Standort berücksichtigt.
Fehler #2: Zu hohe "Sicherheitszuschläge"
"Lieber eine Nummer größer, zur Sicherheit" – ein teurer Irrtum
Sicherheitszuschlag von maximal 10-15% (Luft-WP) bzw. 10% (Sole-WP). Mehr ist kontraproduktiv und kostet Effizienz.
Fehler #3: Vorlauftemperatur nicht berücksichtigen
Die Nennleistung gilt nur bei bestimmter Vorlauftemperatur
Prüfe im Datenblatt die Leistung bei deiner tatsächlich benötigten Vorlauftemperatur. Bei Altbauten mit Heizkörpern eventuell Heizkörper vergrößern, um mit niedrigerer VL auszukommen.
Fehler #4: Alte Heizung als Referenz nehmen
"Die alte Gasheizung hatte 18 kW, also brauche ich 18 kW Wärmepumpe"
Ignoriere die alte Heizung komplett. Berechne die tatsächliche Heizlast neu. Oft reicht eine Wärmepumpe, die nur halb so groß ist wie die alte Gasheizung.
Fehler #5: Warmwasserbedarf nicht einrechnen
Bei monovalenter Warmwasserbereitung wird zusätzliche Leistung benötigt
Für monovalente Warmwasserbereitung zusätzlich 5-10% auf die Heizlast addieren, oder einen ausreichend großen Pufferspeicher vorsehen, um Heizen und Warmwasser zeitlich zu trennen.
Fehler #6: Auslegungstemperatur falsch gewählt
Die Auslegungstemperatur am Standort ist entscheidend
Verwende die korrekte Auslegungstemperatur für deinen Standort (nach DIN/VDI 4710). Der vind Heizlastrechner berücksichtigt dies automatisch basierend auf deiner PLZ.
Gut zu wissen
Praxisbeispiele: Wärmepumpen-Dimensionierung
Schauen wir uns konkrete Beispiele an, wie die Dimensionierung in der Praxis aussieht. So bekommst du ein Gefühl für realistische Größen.
KfW 55 Neubau
Vorlauftemperatur: 35°C
Gut zu wissen
Was du aus diesen Beispielen lernen kannst
- Der Dämmstandard ist entscheidend: Ein Passivhaus braucht weniger als ein Viertel der Heizleistung eines unsanierten Altbaus gleicher Größe.
- Die Wohnfläche allein sagt nichts aus: Ein 140 m² Haus kann zwischen 3 kW und 15+ kW Heizlast haben.
- Bei Altbauten erst sanieren: Eine Wärmepumpe im unsanierten Altbau ist meist unwirtschaftlich. Zuerst Dach und Kellerdecke dämmen, dann Wärmepumpe planen.
- Die Vorlauftemperatur beeinflusst die Größe: Bei 45°C oder 55°C VL muss die Wärmepumpe größer gewählt werden, da die Leistung bei höheren Temperaturen sinkt.
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