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Vorlauftemperatur und Heizlast: Optimale Auslegung für Effizienz

Die Vorlauftemperatur ist neben der Heizlast der entscheidende Faktor für die Effizienz deiner Wärmepumpe. Erfahre, wie du beide optimal aufeinander abstimmst und bis zu 500€ Stromkosten pro Jahr sparst.

Effizienz-Vergleich
Jährliche Stromkosten bei 8 kW Heizlast
35°C VorlaufFußbodenheizung
1.138 €
JAZ 4,5
45°C VorlaufNiedertemp.-HK
1.280 €
JAZ 4,0
55°C VorlaufStandard-HK
1.707 €
JAZ 3,0
Ersparnis über 20 Jahre
bis zu 11.380 €

Inhaltsverzeichnis

Autor: vind•26. Januar 2026•10 Min. Lesezeit

Die Vorlauftemperatur ist neben der Heizlast einer der wichtigsten Faktoren für die Effizienz deiner Wärmepumpe. In diesem Leitfaden erfährst du, wie beide Größen zusammenhängen und wie du deine Anlage für maximale Effizienz und minimale Betriebskosten auslegst.

Vorlauftemperatur und Heizlast: Optimale Auslegung für Effizienz

Warum die Vorlauftemperatur entscheidend ist

Die Heizlast deines Gebäudes sagt dir, wie viel Wärmeleistung du benötigst. Die Vorlauftemperatur bestimmt, wie effizient diese Wärmeleistung erzeugt wird. Beide Größen müssen optimal aufeinander abgestimmt sein.

Bei einer Wärmepumpe gilt eine einfache Regel: Je niedriger die Vorlauftemperatur, desto höher die Effizienz. Eine Reduktion um nur 5°C kann deine Stromkosten um 10-15% senken. Bei einem durchschnittlichen Einfamilienhaus entspricht das einer jährlichen Ersparnis von 150-250€.

30-35°C
Fußbodenheizung
JAZ: 4,5-5,0
Ideal für Wärmepumpen
40-50°C
Niedertemperatur-Heizkörper
JAZ: 3,5-4,2
Guter Kompromiss
55-65°C
Standard-Heizkörper
JAZ: 2,8-3,5
Weniger effizient

Gut zu wissen

Die Vorlauftemperatur ist die Temperatur des Heizwassers, das von der Wärmepumpe zu den Heizkörpern oder der Fußbodenheizung fließt. Sie muss hoch genug sein, um die berechnete Heizlast zu decken, sollte aber so niedrig wie möglich gehalten werden, um die Effizienz zu maximieren.

Die drei Säulen der effizienten Wärmepumpe

Für eine optimal ausgelegte Wärmepumpenanlage müssen drei Faktoren stimmen:

1
Korrekte Heizlast
Die präzise Berechnung des tatsächlichen Wärmebedarfs bei Auslegungstemperatur (z.B. -12°C)
2
Niedrige Vorlauftemperatur
Ausreichend große Heizflächen ermöglichen niedrige Vorlauftemperaturen und damit hohe Effizienz
3
Passende Wärmepumpenleistung
Die Wärmepumpe sollte 10-15% größer sein als die Heizlast, aber nicht mehr

Gut zu wissen

Häufiger Fehler: Viele Installateure dimensionieren Wärmepumpen nach alten Gewohnheiten für zu hohe Vorlauftemperaturen (z.B. 55°C statt 35°C). Das führt zu überdimensionierten Anlagen, die teurer sind und schlechter arbeiten. Eine korrekte Heizlastberechnung zeigt dir die tatsächlich benötigte Leistung.

Vorlauftemperatur: Die Grundlagen verstehen

Die Vorlauftemperatur bezeichnet die Temperatur des Heizwassers, das von deiner Wärmepumpe zu den Heizflächen (Heizkörper oder Fußbodenheizung) gepumpt wird. Nach der Wärmeabgabe fließt das abgekühlte Wasser als Rücklauf zurück zur Wärmepumpe.

Spreizung: Der Unterschied zwischen Vorlauf und Rücklauf

Die Spreizung ist die Temperaturdifferenz zwischen Vorlauf und Rücklauf. Bei einer typischen Anlage beträgt sie 5-10°C:

Beispiel: Fußbodenheizung im Winter
Vorlauftemperatur:35°C
Rücklauftemperatur:28°C
Spreizung:7 K

Eine größere Spreizung bedeutet, dass mehr Wärme an die Räume abgegeben wird. Das ist grundsätzlich gut, aber die Spreizung wird hauptsächlich durch die Heizfläche und den Volumenstrom bestimmt.

Warum niedrigere Temperaturen effizienter sind

Wärmepumpen funktionieren nach dem Prinzip eines umgekehrten Kühlschranks: Sie entziehen der Außenluft (oder dem Erdreich) Wärme und "pumpen" diese auf ein höheres Temperaturniveau. Je größer der Temperaturunterschied zwischen Wärmequelle und Vorlauftemperatur, desto mehr elektrische Energie wird benötigt.

Niedriger Temperaturhub
Außentemperatur: 5°C
Vorlauftemperatur: 30°C
Differenz: 25 K
→ Hohe Effizienz (JAZ ~5,0)
Hoher Temperaturhub
Außentemperatur: 5°C
Vorlauftemperatur: 55°C
Differenz: 50 K
→ Niedrige Effizienz (JAZ ~3,0)

Gut zu wissen

Faustformel: Jedes Grad Reduktion der Vorlauftemperatur verbessert die Effizienz (COP) um etwa 2-3%. Bei einer Senkung von 45°C auf 35°C steigt die JAZ von etwa 3,5 auf 4,5 – das sind fast 30% weniger Stromverbrauch.

Optimale Vorlauftemperatur nach Heizsystem

Die minimal mögliche Vorlauftemperatur hängt von deinem Heizsystem ab. Unterschiedliche Heizflächen können bei gleicher Leistung unterschiedlich viel Wärme abgeben:

FußbodenheizungOptimal
Große Heizfläche (gesamter Boden), daher sehr niedrige Temperaturen möglich
30-35°Cbei Auslegungsbedingungen
Typische Heizleistung: 80-100 W/m² bei 35°C Vorlauf
Niedertemperatur-HeizkörperGut geeignet
Größere Heizkörper mit mehr Fläche, für niedrigere Temperaturen ausgelegt
40-45°Cbei Auslegungsbedingungen
Typische Heizleistung: 60-80 W/m² Heizfläche
Standard-HeizkörperBedingt geeignet
Kompakte Heizkörper benötigen höhere Temperaturen für ausreichende Wärmeabgabe
50-60°Cbei Auslegungsbedingungen
Effizienz der Wärmepumpe deutlich reduziert

Die Wahl des Heizsystems hat also direkten Einfluss darauf, wie effizient deine Wärmepumpe arbeiten kann. Bei einer Modernisierung solltest du daher prüfen, ob ein Wechsel zu Niedertemperatur-Heizkörpern oder einer Fußbodenheizung wirtschaftlich sinnvoll ist.

Der Zusammenhang zwischen Vorlauftemperatur und Heizlast

Die Heizlast und die Vorlauftemperatur sind über die verfügbare Heizfläche miteinander verbunden. Diese Beziehung lässt sich durch eine einfache Gleichung beschreiben:

Grundformel
Heizlast (W) = Heizfläche (m²) × spezifische Leistung (W/m²)
Die spezifische Leistung hängt von der Vorlauftemperatur ab

Praktisches Beispiel

Betrachten wir ein Einfamilienhaus mit einer berechneten Heizlast von 8 kW bei -12°C Außentemperatur. Wie hoch muss die Vorlauftemperatur sein?

Szenario 1: Fußbodenheizung
Heizlast:8.000 W
Beheizbare Fläche:140 m²
Spezifische Leistung:8.000 W ÷ 140 m² = 57 W/m²
Benötigte Vorlauftemperatur:~32-35°C
✓ Optimal für Wärmepumpe (JAZ ~4,8)
Szenario 2: Standard-Heizkörper
Heizlast:8.000 W
Gesamte Heizkörperfläche:~12 m² (geschätzt)
Spezifische Leistung:8.000 W ÷ 12 m² = 667 W/m²
Benötigte Vorlauftemperatur:~55-60°C
⚠ Deutlich schlechtere Effizienz (JAZ ~3,2)

Wie das Beispiel zeigt, benötigt die gleiche Heizlast von 8 kW völlig unterschiedliche Vorlauftemperaturen – je nachdem, wie groß die verfügbare Heizfläche ist. Die Fußbodenheizung kann mit niedrigen 32-35°C arbeiten, während Standard-Heizkörper 55-60°C benötigen.

Gut zu wissen

Der Schlüssel zur Effizienz: Um niedrige Vorlauftemperaturen zu erreichen, brauchst du entweder eine niedrige Heizlast (durch gute Dämmung) oder große Heizflächen (Fußbodenheizung oder übergroße Heizkörper). Idealerweise kombinierst du beides.

Heizfläche und Leistungsabgabe

Die folgende Tabelle zeigt, wie viel Wärmeleistung verschiedene Heizsysteme bei unterschiedlichen Vorlauftemperaturen abgeben können (bei 20°C Raumtemperatur):

Heizsystem30°C35°C45°C55°C
Fußbodenheizung~50 W/m²~75 W/m²~125 W/m²~175 W/m²
Wandheizung~40 W/m²~60 W/m²~100 W/m²~140 W/m²
Niedertemp.-Heizkörper~200 W/m²~300 W/m²~500 W/m²~700 W/m²
Standard-Heizkörper~150 W/m²~250 W/m²~450 W/m²~650 W/m²

Diese Werte sind Richtwerte und können je nach genauer Bauart variieren. Sie zeigen aber deutlich: Je niedriger die Vorlauftemperatur, desto wichtiger wird die verfügbare Heizfläche. Für eine optimal dimensionierte Wärmepumpe solltest du die Heizlast kennen und darauf basierend das Heizsystem auswählen.

Optimale Vorlauftemperatur berechnen

Mit diesem interaktiven Rechner kannst du die benötigte Vorlauftemperatur für dein Gebäude ermitteln. Gib deine Heizlast und Heizfläche ein, um zu sehen, welche Vorlauftemperatur nötig ist und wie effizient deine Wärmepumpe arbeiten kann.

Vorlauftemperatur-Rechner

8.0 kW
140 m²
Spezifische Leistung57 W/m²
Benötigte Vorlauftemperatur32°C
Erwartete JAZ4.6
Geschätzter Stromverbrauch/Jahr3,478 kWh
Geschätzte Stromkosten/Jahr1,113 €
Hinweis: Dies ist eine Schätzung basierend auf typischen Werten. Die tatsächliche JAZ hängt von vielen Faktoren ab.

Du siehst: Die Kombination aus Heizlast, Heizfläche und Heizsystem bestimmt die minimal mögliche Vorlauftemperatur – und damit die Effizienz deiner Wärmepumpe. Nutze unseren kostenlosen Heizlastrechner, um deine exakte Heizlast zu ermitteln.

Einfluss der Vorlauftemperatur auf Effizienz und JAZ

Die Jahresarbeitszahl (JAZ) ist die wichtigste Kennzahl für die Effizienz einer Wärmepumpe. Sie gibt an, wie viel Wärmeenergie aus einer Kilowattstunde Strom erzeugt wird. Eine JAZ von 4,0 bedeutet: Aus 1 kWh Strom werden 4 kWh Wärme.

Die Vorlauftemperatur hat einen direkten und massiven Einfluss auf die JAZ. Je niedriger die Vorlauftemperatur, desto höher die Effizienz:

JAZ in Abhängigkeit der Vorlauftemperatur

Typische JAZ-Werte einer modernen Luft-Wasser-Wärmepumpe bei 7°C Außentemperatur

Konkrete Kostenauswirkungen

Was bedeutet das in Euro und Cent? Betrachten wir ein Einfamilienhaus mit 8 kW Heizlast und 2.000 Volllaststunden pro Jahr (typisch für Deutschland):

Niedrige Vorlauftemperatur (35°C)
JAZ:4,5
Wärmebedarf:16.000 kWh/Jahr
Stromverbrauch:3.556 kWh/Jahr
Stromkosten (32 ct/kWh):1.138 €
Hohe Vorlauftemperatur (55°C)
JAZ:3,0
Wärmebedarf:16.000 kWh/Jahr
Stromverbrauch:5.333 kWh/Jahr
Stromkosten (32 ct/kWh):1.707 €
Jährliche Mehrkosten bei hoher Vorlauftemperatur:
+569 €
Über 20 Jahre: 11.380 € Mehrkosten nur durch ineffiziente Vorlauftemperatur

Gut zu wissen

Tipp: Selbst wenn du aktuell Standard-Heizkörper hast, kann sich der Austausch gegen Niedertemperatur-Heizkörper lohnen. Investition: etwa 2.000-4.000 € für ein Einfamilienhaus. Amortisation: 4-7 Jahre durch niedrigere Stromkosten.

Weitere Faktoren, die die JAZ beeinflussen

Neben der Vorlauftemperatur spielen noch weitere Faktoren eine Rolle für die tatsächlich erreichte JAZ:

1
Klimazone und Außentemperatur
Je kälter dein Standort, desto niedriger die durchschnittliche JAZ. In milderen Regionen arbeitet die Wärmepumpe effizienter.
2
Dämmstandard des Gebäudes
Gut gedämmte Gebäude haben eine niedrigere Heizlast und benötigen seltener hohe Vorlauftemperaturen. Die JAZ ist im Durchschnitt höher.
3
Wärmepumpentyp
Sole-Wasser-Wärmepumpen (Erdwärme) erreichen etwa 0,5-0,8 Punkte höhere JAZ als Luft-Wasser-Wärmepumpen, da die Erdtemperatur stabiler ist.
4
Warmwasserbereitung
Warmwasser benötigt höhere Temperaturen (45-55°C) und senkt die Gesamt-JAZ um etwa 0,3-0,5 Punkte.

Die richtige Dimensionierung basierend auf einer präzisen Heizlastberechnung stellt sicher, dass deine Wärmepumpe optimal auf die niedrigste mögliche Vorlauftemperatur ausgelegt wird – und damit die höchste JAZ erreicht.

Fußbodenheizung vs. Heizkörper: Der direkte Vergleich

Die Wahl des Heizsystems hat direkten Einfluss auf die mögliche Vorlauftemperatur und damit auf die Effizienz deiner Wärmepumpe. Schauen wir uns die drei gängigsten Systeme im Detail an.

Vergleichstabelle: Heizsysteme für Wärmepumpen

KriteriumFußbodenheizungNiedertemp.-HKStandard-HK
Vorlauftemperatur30-35°C40-50°C55-65°C
Typische JAZ4,5-5,03,8-4,23,0-3,5
Heizfläche (140 m² Wohnfläche)~120-140 m²~15-25 m²~10-15 m²
ReaktionszeitLangsam (Stunden)Mittel (30-60 Min)Schnell (15-30 Min)
NachrüstaufwandHoch (Estrich erneuern)Mittel (HK tauschen)Gering (vorhanden)
Kosten Nachrüstung (EFH)8.000-15.000 €2.000-4.000 €0 €
Wärmepumpen-Eignung

Detaillierte Systemanalyse

Fußbodenheizung

Beste Wahl für Wärmepumpen
Die Fußbodenheizung nutzt die gesamte Bodenfläche als Heizfläche. Durch die große Fläche kann bei niedrigen Vorlauftemperaturen (30-35°C) ausreichend Wärme abgegeben werden.
Vorteile
  • • Höchste Effizienz (JAZ 4,5-5,0)
  • • Gleichmäßige Wärmeverteilung
  • • Angenehmes Raumklima
  • • Keine sichtbaren Heizkörper
  • • Niedrigste Betriebskosten
Nachteile
  • • Hohe Nachrüstkosten
  • • Langsame Reaktion
  • • Aufwendige Installation
  • • Aufbauhöhe erforderlich
Rechenbeispiel (8 kW Heizlast)
Heizfläche:140 m² (gesamter Boden)
Spezifische Leistung:57 W/m²
Benötigte Vorlauftemperatur:~32-35°C
Stromkosten/Jahr:~1.140 €

Niedertemperatur-Heizkörper

Guter Kompromiss
Speziell für Wärmepumpen entwickelte Heizkörper mit größerer Heizfläche. Sie können bei 40-50°C Vorlauftemperatur dieselbe Leistung abgeben wie Standard-Heizkörper bei 55-70°C.
Vorteile
  • • Gute Effizienz (JAZ 3,8-4,2)
  • • Einfache Nachrüstung
  • • Schnelle Reaktion
  • • Moderate Kosten
  • • Raumweise regelbar
Nachteile
  • • Größer als Standard-HK
  • • Nehmen Wandfläche ein
  • • Weniger effizient als FBH
  • • Sichtbar im Raum
Rechenbeispiel (8 kW Heizlast)
Heizfläche:~18 m² (alle HK zusammen)
Spezifische Leistung:444 W/m²
Benötigte Vorlauftemperatur:~45-48°C
Stromkosten/Jahr:~1.280 €

Standard-Heizkörper

Bedingt geeignet
Klassische Heizkörper, die für Öl- oder Gasheizungen ausgelegt wurden (70/55°C Auslegung). Sie benötigen hohe Vorlauftemperaturen, um ausreichend Wärme abzugeben.
Vorteile
  • • Bereits vorhanden
  • • Keine Umbaukosten
  • • Schnelle Reaktion
  • • Einfache Bedienung
Nachteile
  • • Schlechte Effizienz (JAZ 3,0-3,5)
  • • Hohe Betriebskosten
  • • Hohe Vorlauftemperatur
  • • Ggf. zu klein dimensioniert
  • • Unwirtschaftlich langfristig
Rechenbeispiel (8 kW Heizlast)
Heizfläche:~12 m² (alle HK zusammen)
Spezifische Leistung:667 W/m²
Benötigte Vorlauftemperatur:~55-60°C
Stromkosten/Jahr:~1.710 €

Gut zu wissen

Entscheidungshilfe: Neubau oder Kernsanierung? Wähle Fußbodenheizung. Bestehendes Gebäude mit Heizkörpern? Prüfe, ob ein Austausch gegen Niedertemperatur-Heizkörper wirtschaftlich ist. Die Mehrkosten amortisieren sich oft in 4-7 Jahren durch niedrigere Stromkosten. Eine genaue Heizlastberechnung zeigt dir, welche Vorlauftemperaturen tatsächlich nötig sind.

Praktische Optimierungstipps für niedrigere Vorlauftemperaturen

Du hast bereits eine Wärmepumpe oder planst eine? Mit diesen Maßnahmen kannst du die Vorlauftemperatur senken und die Effizienz steigern:

1. Heizkurve richtig einstellen

Die Heizkurve bestimmt, wie die Vorlauftemperatur bei verschiedenen Außentemperaturen angepasst wird. Viele Anlagen sind ab Werk zu hoch eingestellt.

Schritt-für-Schritt-Anleitung
  1. 1. Ausgangspunkt ermitteln: Notiere die aktuelle Vorlauftemperatur bei verschiedenen Außentemperaturen
  2. 2. Kurve absenken: Reduziere die Heizkurve (Neigung oder Niveau) um 2-3°C
  3. 3. Beobachten: Prüfe 2-3 Tage, ob alle Räume noch ausreichend warm werden (20-21°C)
  4. 4. Iterieren: Wiederhole Schritt 2-3, bis einzelne Räume nicht mehr warm genug werden
  5. 5. Feintuning: Stelle die Kurve auf den letzten funktionierenden Wert ein

Gut zu wissen

Erfolgspotenzial: Durch optimale Heizkurveneinstellung lassen sich oft 3-5°C Vorlauftemperatur einsparen. Das entspricht etwa 6-12% weniger Stromverbrauch und kann 100-200€ pro Jahr sparen.

2. Heizlast durch Dämmung reduzieren

Eine niedrigere Heizlast ermöglicht niedrigere Vorlauftemperaturen bei gleicher Heizfläche. Die effektivsten Dämmmaßnahmen:

1
Dachgeschossdämmung
Beste Kosten-Nutzen-Relation. Reduziert Heizlast um 15-25%. Kosten: 30-60 €/m². Amortisation: 8-12 Jahre.
2
Kellerdeckendämmung
Schnell umsetzbar, oft in Eigenleistung möglich. Reduziert Heizlast um 5-10%. Kosten: 20-40 €/m². Amortisation: 5-8 Jahre.
3
Fenstertausch
Moderne 3-fach-Verglasung (U-Wert 0,7 W/m²K). Reduziert Heizlast um 8-15%. Kosten: 500-800 €/m². Amortisation: 15-25 Jahre.
4
Fassadendämmung
Größte absolute Einsparung. Reduziert Heizlast um 20-35%. Kosten: 100-200 €/m². Amortisation: 20-35 Jahre.
Beispielrechnung Altbau
Heizlast vorher (ungedämmt):12 kW
Heizlast nachher (Dach + Keller gedämmt):9 kW (-25%)
Vorlauftemperatur vorher:50°C
Vorlauftemperatur nachher:42°C (-8°C)

3. Heizkörper optimieren oder tauschen

Wenn Fußbodenheizung nicht möglich ist, gibt es Alternativen für niedrigere Vorlauftemperaturen:

Maßnahme 1: Heizkörper vergrößern
Tausche Standard-Heizkörper gegen größere Niedertemperatur-Modelle mit doppelter oder dreifacher Konvektion.
Kosten pro Heizkörper:200-400 €
Temp.-Reduktion:-8 bis -12°C
Amortisation:4-7 Jahre
Maßnahme 2: Wandheizung ergänzen
In ausgewählten Räumen (z.B. Badezimmer) Wandheizung als Flächenheizung nachrüsten.
Kosten pro m²:50-80 €
Vorlauftemperatur:30-35°C
Ideal für:Bad, Schlafzimmer

Gut zu wissen

Tipp: Prüfe zunächst, ob deine vorhandenen Heizkörper ausreichend dimensioniert sind. Berechne die benötigte Heizleistung pro Raum und vergleiche sie mit der Leistung deiner Heizkörper bei 45°C statt 70°C (meist in Datenblättern angegeben).

4. Hydraulischer Abgleich durchführen

Der hydraulische Abgleich sorgt dafür, dass alle Heizkörper optimal mit Heizwasser versorgt werden. Ohne Abgleich laufen manche Heizkörper zu heiß, andere zu kalt – die Vorlauftemperatur wird unnötig hochgefahren.

Warum ist das wichtig?
  • • Gleichmäßige Wärmeverteilung
  • • Reduziert erforderliche Vorlauftemperatur um 2-4°C
  • • Eliminiert Strömungsgeräusche
  • • Voraussetzung für BAFA-Förderung
Kosten & Nutzen
Kosten EFH:400-800 €
Einsparung/Jahr:80-150 €
Amortisation:3-6 Jahre

Zusammenfassung: Die wichtigsten Maßnahmen

Sofort umsetzbar (0-1.000 €)
  1. 1. Heizkurve optimieren (kostenlos)
  2. 2. Hydraulischer Abgleich (400-800 €)
  3. 3. Thermostatventile austauschen (200-400 €)
Temp.-Reduktion: 3-6°C | Einsparung: 150-250 €/Jahr
Mittelfristig (2.000-5.000 €)
  1. 1. Niedertemperatur-Heizkörper (2.000-4.000 €)
  2. 2. Dachgeschossdämmung (3.000-6.000 €)
  3. 3. Kellerdeckendämmung (1.500-3.000 €)
Temp.-Reduktion: 8-12°C | Einsparung: 300-500 €/Jahr

Die optimale Kombination hängt von deinem Gebäude und Budget ab. Eine präzise Heizlastberechnung zeigt dir, welche Maßnahmen den größten Effekt haben.

Mit der richtigen Kombination aus baulichen Maßnahmen und technischer Optimierung kannst du die Vorlauftemperatur deutlich senken und die Effizienz deiner Wärmepumpe maximieren. Das spart nicht nur Geld, sondern macht deine Heizung auch zukunftssicher und umweltfreundlich.

Häufig gestellte Fragen

Die Vorlauftemperatur bestimmt, wie viel Wärme das Heizwasser an die Räume abgeben kann. Bei gleicher Heizlast (dem Wärmebedarf des Gebäudes) benötigt ein System mit niedrigerer Vorlauftemperatur eine größere Heizfläche (z.B. Fußbodenheizung), während ein System mit höherer Vorlauftemperatur mit kleineren Heizflächen auskommt (z.B. Heizkörper). Die Heizlast bestimmt also die benötigte Gesamtwärmeleistung, die Vorlauftemperatur beeinflusst, wie diese Leistung übertragen wird.
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